Medien : Gerckens darf Tagesspiegel kaufen

Das Bundeskartellamt erteilt die Genehmigung ohne Auflagen

Joachim Huber

Das Bundeskartellamt hat den Verkauf des Tagesspiegel-Verlags an den ehemaligen Holtzbrinck-Manager Pierre Gerckens genehmigt. Zugleich werde es aber eine „vertiefte Prüfung“ der von der Verlagsgruppe Holtzbrinck angemeldeten Übernahme des Berliner Verlags („Berliner Zeitung“) geben, kündigte die Behörde am Freitag in Bonn an. Beide Vorhaben seien – auch nach eigener Aussage der Beteiligten – eng miteinander verknüpft. Dies „wird unter anderem durch die Vereinbarung zwischen Holtzbrinck und Gerckens deutlich, dass die Veräußerung des Tagesspiegels an Gerckens nur dann wirksam wird, wenn der Übernahme des Berliner Verlags keine kartellrechtlichen Hindernisse mehr entgegenstehen“, heißt es in einer Mitteilung des Kartellamtes weiter. Dessen Präsident Ulf Böge sagte, das Amt konzentriere sich jetzt auf die eigentliche Frage, ob der Tagesspiegel weiterhin der Verlagsgruppe Holtzbrinck zuzurechnen sei. Die Prüfung könne im Hauptverfahren bis zu drei Monate dauern. Rolf Aschermann, Sprecher der Verlagsgruppe Holtzbrinck, nannte diese Prüfung „ergebnisoffen“.

Seit Freitag ist aber klar, dass der Verkauf des Tagesspiegel für sich betrachtet nach Ansicht des Kartellamtes zulässig ist. „Das Amt hat daher entschieden, dieses Vorhaben freizugeben.“ Aschermann sagte: „Das freut uns. Wir haben nichts anderes erwartet.“ Der künftige Verleger des Tagesspiegel, Pierre Gerckens, betonte, das Kartellamt habe die Anfrage „zügig, professionell und sehr genau im Detail“ erledigt. Die Genehmigung des Kaufs durch das Kartellamt sei auch Beleg dafür, dass zwischen den Verlagen Holtzbrinck und Tagesspiegel „eine saubere Trennung“ vollzogen werde. „Wir werden als Wettbewerber im Berliner Markt auftreten.“ Beide Blätter, der Tagesspiegel wie auch die „Berliner Zeitung“, seien lebensfähig.

Pierre Gerckens betonte, die Genehmigung sei ohne Auflagen seitens des Kartellamtes erteilt worden. Für Kooperationen sei er nach allen Seiten offen, da könne und wolle er nichts ausschließen. Die gute Nachricht sei eben, dass es ihm möglich sei, sich auf die Entwicklung des Hauses zu konzentrieren. Für den Verlag trete „jetzt eine gewisse Ruhe ein, wichtig ist jetzt vor allem Kontinuität“. Er werde sich als Verleger auf die Fragen von Strategie und Konzeptionen konzentrieren: „Ich bin kein geschäftsführender Gesellschafter.“ Er wolle sich bemühen, mit seinen Erfahrungen und Kontakten die überregionale Ausstrahlung und Präsentation des Tagesspiegel wie auch der Hauptstadt Berlin auszubauen.

Für das Blatt gelte: „Der Tagesspiegel muss aus eigener Kraft wachsen und sich finanzieren können.“ Anstrengungen würden gemacht. So werden diese Zeitung wie auch die Potsdamer Neueste Nachrichten vom 15. Dezember an in der Springer-Druckerei in Spandau produziert, wodurch sich die Gestaltungsmöglichkeiten deutlich verbessern werden. Außerdem arbeitet die Redaktion an einer Auffrischung des Blattes. Zum Verlag gehören zudem das Stadtmagazin „Zitty“, das Gerckens gut im Feld sieht, bei den Online-Aktivitäten gefällt Gerckens die „Einnahmeseite“ nicht.

Zur aktuell diskutierten Frage, wie das Kartellrecht im Pressebereich novelliert werden sollte, sagte Gerckens: „Die Politik wie auch die Verleger müssen ernsthaft darüber nachdenken, ob nicht die Entwicklung der Werbemärkte insgesamt angeschaut werden muss.“ Der Wettbewerb der Medien sei intermedial zu sehen, so wie der Zeitungsleser eben nicht nur Zeitungsleser sei, sondern zudem Radiohörer, Fernsehzuschauer und Online-Nutzer.

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