Gericht sieht Menschenwürde verletzt : Mutter schlägt Kinder, RTL hält drauf

In einer Folge der "Super Nanny" bei RTL wurden Kinder mehrfach geschlagen. Der Sender sah darin kein Problem, die Kommission für Jugendmedienschutz und das Verwaltungsgericht Hannover schon

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Katharina Saalfrank, früher "Super Nanny" bei RTL
Katharina Saalfrank, früher "Super Nanny" bei RTLFoto: dpa

Eine 2011 ausgestrahlte Folge der RTL-Serie "Super Nanny" hat nach Einschätzung des Verwaltungsgerichts Hannover gegen die Menschenwürde der darin gezeigten Kinder verstoßen. In ihrem am Dienstag verkündeten Urteil bestätigten die Richter die Einschätzung der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM).

Sie wiesen damit die Klage des Senders gegen eine von der KJM ausgesprochene Beanstandung der Sendung zurück (Az. 7 A 4679/12). In der Folge, die RTL am 14. September 2011 ausgestrahlt hatte, hatte die Filmcrew nach Gerichtsangaben mehrere Übergriffe einer alleinerziehenden Mutter auf ihre weinenden und verängstigten Kinder im Alter von drei, vier und sieben Jahren aufgezeichnet. Sie wurden demnach beschimpft, bedroht und geschlagen.

Gewalthandlungen wurden mehrmals wiederholt

RTL hatte gegen die Beanstandung durch die KJM unter anderem deshalb geklagt, weil die fragliche Folge vor der Ausstrahlung von der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) nicht moniert worden war. Die inhaltliche Beurteilung durch die KJM wurde vom Sender damals nicht geteilt. Die Bilder seien dramaturgisch so gestaltet, dass sich der Zuschauer sofort mit den Kindern solidarisiere. Ein Bußgeld war mit der Beanstandung nicht verbunden.

Nach Ansicht der Richter hatte der Prüfbescheid der FSF keine Sperrwirkung. Da der Menschenwürde in Artikel 1 des Grundgesetzes ein hoher Rang eingeräumt werde, müsse die Kommission in solchen Fällen Prüfentscheidungen der FSF korrigieren dürfen. Laut Gericht seien von den zehn gezeigten Gewalthandlungen einige bis zu drei Mal wiederholt worden, insbesondere monierte das Gericht die Zusammenstellung, "um Zuschauer anzulocken". Dies sei auch nicht dadurch zu rechtfertigen, dass die Sendung das "erkennbare erziehungspädadogische Ziel" verfolgt habe, die Situation in der Familie positiv zu verändern.

Der Sender bedauert das Urteil

Eine RTL-Sprecherin sagte, ihr Sender bedauere das Urteil. RTL werde schriftliche Begründung abwarten und dann entscheiden, ob der Sender in die beim Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht zulässige Berufung gehe.

Der Privatsender hatte die Produktion der Sendung "Super Nanny" 2011 eingestellt. Die TV-Serie, in der die Pädagogin Katharina Saalfrank Familien besuchte, war unter anderem vom Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) jahrelang heftig kritisiert worden.

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