Germany's Next Topmodel : Viel Glitzer, wenig Wärme

Spannender und härter als alle Staffeln zuvor hatte die sechste Ausgabe von Germany's Next Topmodel sein sollen. Sie wurde aber die langweiligste. Im Finale erregte Lady Gaga mehr Aufmerksamkeit als die Siegerin Jana Beller.

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Vor Glück geschüttelt und gerührt: Jana (m.) ist "Germany's next Topmodel". Ihre Konkurrentin Rebecca Mir (r.) gratuliert, Chefjurorin Heidi Klum (l.) bringt es auf den Punkt: "Jana hat das Gesamtpaket. Sie kann super laufen, sie hat ein super Lächeln".Weitere Bilder anzeigen
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09.06.2011 23:27Vor Glück geschüttelt und gerührt: Jana (m.) ist "Germany's next Topmodel". Ihre Konkurrentin Rebecca Mir (r.) gratuliert,...

Am Ende steht plötzlich das auf der Bühne, was Heidi Klum in ihrer Castingshow „Germany’s Next Topmodel" ganze 15 Wochen lang gesucht hat: das Gesamtpaket. Eine Frau, die sich zu stylen und perfekt in Szene zu setzen weiß, die ihrem Publikum den Atem raubt und sogar dann noch höflich lächelt, wenn ihre Kunden die dümmsten Fragen stellen. Blöd nur, dass sie keine von Klums Kandidatinnen ist - sondern Lady Gaga, das derzeit erfolgreichste Pop-Modell weltweit.

Sie  überstrahlte mit ihrem Auftritt beim Finale am Donnerstagabend in Köln nicht nur „Topmodel“-Gewinnerin Jana Beller (20), die Zweitplatzierte Rebecca Mir (19) und die Drittplatzierte Amelie Klever (16), sondern auch Klum. Und das, obwohl die Moderatorin gleich zu Beginn der Show selbst einen Gaga-Auftritt hinlegte.

Zu „Teardrops“ von Massive Attack stieg Klum in einem gelblilaschwarzblaugrünglitzernden Harlekin-Anzug aus einer Riesenblüte, gesellte sich zu ihren Co-Juroren Thomas Rath und Thomas Hayo aufs Sofa und redete so staksig los, wie sie zuvor auf ihren High-Heels über den Laufsteg hergewackelt war. Was sie offenbar hoffte, aber nicht wusste: Weder ein verrücktes Outfit noch ein Sofa reichen, um zum Gottschalk zu werden, der es schafft, mit dem Mädchen von nebenan genau so unterhaltsam und herzlich zu plaudern wie mit einem Superstar. Klum geht diese Lässigkeit und Wärme ab.

Und fehlt dem Moderatorinnen-Model noch dazu wie in der Live-Show am Donnerstag Netz und doppelter Boden in Form von Schnitttechnik, wird der Mangel besonders offenkundig. Robotermäßig ratterte sie herunter, wie hübsch und bezaubernd ihre „Mädchen“ sind, wie gut sie die „Challenges“ gemeistert haben und wie sehr sie es verdient haben, im Finale zu stehen. Null nutzte sie die Möglichkeit, in der mit rund 15 000 Zuschauern gefüllte Kölner Arena Atmosphäre zu schaffen. Selbst wenn sie zu den Kandidatinnen sprach, war ihr Blick streng auf die Kamera gerichtet, als Zuschauer war man da heilfroh, schon alle Fotos im Album beisammen zu haben.

Spannender und härter als alle Staffeln zuvor hatte die sechste sein sollen, wurde aber die langweiligste. Zickereien wie die zwischen Anna-Lena und Rebecca nervten schnell, Vorführeffekte mit der ungelenken Marie-Luise langweilten, die Drohung, dass jede Kandidatin jederzeit aus der Sendung fliegen könnte, blieb spektakulär ungenutzt und selbst „Dschungelcamp“-Elemente wie Shootings mit Bienen und Kakerlaken war so wenig aufregend, dass man sich Dr. Bob herbeisehnte, der Klum ein kleines Tierchen in den Mund steckte.

Lady Gaga wollte am Donnerstag offensichtlich zu noch radikaleren Maßnahmen greifen. Erst spielte sie aus ihrem Album „Born this way“ das gleichnamige Stück erst am Klavier, sang  dann auf dem Laufsteg, auf dem sie eine Guillotine hatte aufbauen lassen. „Eitelkeit“ stand über dem als Fallbeil umfunktionieren Spiegel. Da würde sie Klum gerne mal drunter sehen, sagte Gaga, nachdem sie von der Moderatorin als „Fräulein“ begrüßt worden war.

Nein, solche Scherze mag die Lady nicht. Klum merkte davon nichts. Dennoch muss man ihr zu Gute halten, dass es abgesehen von Gottschalk kein anderer Moderator schafft, solche Superstars in eine deutsche Fernsehshow zu holen. Klum ist in den USA ein Star, erzielt mit ihren TV-Show „Project Runway“ und „Seriously Funn Kids“ Quotenerfolge und wird dort gerade für ihren Ehrgeiz bewundert, der in Deutschland oft als Verbissenheit ausgelegt wird.

In „Topmodel“-Siegerin Jana scheint das frühere „Victoria’s Secret“-Model so etwas wie eine Nachfolgerin zu sehen. Denn auch wenn die Drittplatzierte Amelie womöglich die Wandelbarste unter den Kandidatinnen war, hat Jana, die im sibirischen Omsk geboren wurde und im dem nordrhein-westfälischen Haltern am See lebt, nach Klums Ansicht „Starqualitäten“. Und die sind bei den kommerziellen Jobs, bei  denen die „Topmodels“ eher reüssieren als auf den Laufstegen in New York, Paris und London, gefragt.

2012 will sie bei ProSieben ein neues „Topmodel“ suchen, deutete Klum am Donnerstag an. Vielleicht sitzt dann auch Dr. Bob in der Jury und hilft bei der Suche nach dem Gesamtpaket.  

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