Medien : Geschäfte und Nebengeschäfte

Der Bundesliga-Vermarkter Sirius trennt sich von seinem Geschäftsführer Dejan Jocic

Joachim Huber

Hell aufleuchten sollte die Sirius Sport Media am Medienhimmel. Gemeinsam mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) war der große Coup für die Vermarktung der Fußball-Bundesliga geplant, 500 Millionen Euro ab der Saison 2009/2010. Das Bundeskartellamt grätschte dazwischen, der Schnitt für die Liga steht wahrlich in den Sternen – und jetzt hat sich Sirius seinen Geschäftsführer vor die Tür gesetzt. Ein Sirius-Sprecher sagte dem Tagesspiegel am Dienstag, das Unternehmen und Dejan Jocic hätten sich „einvernehmlich“ getrennt; einvernehmlich heißt, dass alle Modalitäten der Trennung geklärt sind. Nach Angaben von Sirius ist mit Dagmar Brandenstein und Ulrich Blessing die Kontinuität der Arbeit gewährleistet, DFL und Sirius seien über den gemeinsamen Vertrag zur Bundesliga-Vermarktung weiterhin im Gespräch. Nach dem Kartellamtsspruch soll eine neue Basis für die garantierten Erlöse für die Liga gefunden werden, statt 500 Millionen sollen jetzt 350 Millionen Euro als Mindestsumme fixiert werden.

Die Trennung von Jocic ist für Leo Kirch und seine rechte Hand, Dieter Hahn, ein schwerer Schlag, von „Enttäuschung“ wird gesprochen. Der 36-jährige Jocic soll sich – quasi undercover – neben seiner Geschäftsführer-Tätigkeit für die Kirch-Firma eine Nebentätigkeit aufgebaut haben. Betroffene sagen, Jocic habe nicht irgendeinen Nebenjob betrieben, sondern just im Kerngeschäft der Sirius Sport Media gewildert, indem er mit eigener Firma und auf eigene Rechnung mit Medienrechten gehandelt haben soll. Angeblich soll es dabei auch um die Vermarktung der Uefa-Cup- Spiele des VfL Wolfsburg gegangen sein. Dejan Jocic begann seine Karriere 1992 beim Deutschen Sport-Fernsehen. Von 1999 bis 2001 arbeitete er als „Head of Development“ bei Premiere und als Programmdirektor bei Kirch New Media. Nach weiteren Aufgaben in der Kirch-Gruppe wechselte er 2004 in die Geschäftsführung von Pro Sieben, zwei Jahre später ging er zum Premiere-Konkurrenten Arena. Seit Januar 2008 arbeitete er für Sirius. Die Frage, die hinter dem Verhalten von Jocic liegt: Glaubt bei Sirius noch jemand an eine gemeinsame Zukunft mit der DFL? Joachim Huber

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