Gescheiterte MDR-Intendantenwahl : Brutalstmöglich

Bernd Hilder, Chefredakteur der "Leipziger Volkszeitung", fällt bei der Wahl zum MDR-Intendanten durch. Innerhalb eines Monats muss der Verwaltungsrat nun Ersatz finden - und könnte eine zuvor durchgefallene Kandidatin nominieren.

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Bernd Hilder kam, sah – und verlor. Krachend, 29 von 41 Rundfunkräten des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) stimmten am Montagmittag gegen die Wahl des Chefredakteurs der „Leipziger Volkszeitung“ zum neuen MDR-Intendanten. Der 52-jährige Hilder war als einziger Kandidat vom MDR-Verwaltungsrat nominiert worden. Er hätte Ende Oktober die Nachfolge des scheidenden Gründungsintendanten Udo Reiter, 67, antreten sollen. Jetzt muss sich der Verwaltungsrat erneut auf Kandidatensuche machen.

Das wird eine Herausforderung, denn die beiden Gremien sind über das Profil des nächsten Senderchefs uneins. Der siebenköpfige Verwaltungsrat hatte den 43 Mitgliedern des Rundfunkrats, von denen am Montag zwei Mitglieder fehlten, Hilder mit einer Mehrheit von fünf gegen zwei Stimmen empfohlen. Bereits hier waren vier Wahlgänge nötig.

Der Rundfunkrat hat die Personalie glatt abgebügelt. Um Intendant des MDR zu werden, hätten für Hilder zwei Drittel der anwesenden Rundfunkratsmitglieder, also mindestens 28, stimmen müssen. Zu Beginn der Sitzung hatte das Gremium beschlossen, dass es nur einen einzigen Wahlgang geben werde. Dabei haben 29 Mitglieder gegen Hilder votiert. Mehr Ablehnung geht kaum. Noch-Intendant Udo Reiter gab sich cool: „Das hat mit mir alles nichts mehr zu tun.“ Vielleicht doch? Die sächsische Staatskanzlei bedauerte nämlich die Niederlage. Die Besetzung des MDR-Postens mit Hilder sei ursprünglich die Idee von Reiter gewesen und vom Verwaltungsrat aufgegriffen worden, erklärte Staatskanzlei-Chef Johannes Beermann (CDU). Leider habe sich der Vorschlag nicht durchgesetzt.

Anders als der Verwaltungsrat, der den Personalvorschlag für mehrheitsfähig hielt, will der in seiner Zusammensetzung pluralistische Rundfunkrat die Senderspitze nicht nach parteipolitischen Kriterien bestimmt sehen. Das könnte die MDR-Justiziarin Karola Wille, 52, wieder ins Spiel bringen, die bei der Wahl im Verwaltungsrat zunächst eine knappe Mehrheit hatte, um dann gegen Hilder zu verlieren. Zumindest formal spricht nichts dagegen, dass Wille erneut ausgeguckt wird. Klar ist, dass die Gremien bei der Kandidatensuche mit gegenseitiger Opposition, ja Obstruktion nicht weiterkommen.

Nach der gescheiterten Hilder-Wahl sagte der Rundfunkratsvorsitzende Johannes Jenichen, „der Rundfunkrat hat sich als souveränes Gremium demokratisch mehrheitlich gegen Herrn Hilder als künftigen MDR-Intendanten entschieden. Jetzt erwarten wir einen neuen Wahlvorschlag des Verwaltungsrates.“ Er forderte zugleich das Gremium zu mehr Transparenz bei der Arbeit auf. Schärfer äußerten sich andere Mitglieder des Rundfunkrates. „Der Verwaltungsrat hat unglücklich agiert“, sagte Rundfunkrat Wolfgang Marr vom Deutschen Journalisten-Verband Thüringen. Zudem habe Hilder ein vom Rundfunkrat gefordertes schriftliches Konzept für seine Arbeit beim MDR erst kurz vor der Wahl geliefert. „Das ist keine Art und Weise, wie man mit den Gremien umgeht“, sagte Marr. Das deutliche Wahlergebnis sei „ein Sieg der Aufrechten“ und von Rundfunkräten „quer durch alle Reihen“ getragen. Der Verwaltungsratsvorsitzende Gerd Schuchardt sagte, das Gremium werde sich am 9. Oktober erneut treffen, um möglichst einmütig einen neuen Kandidaten für die Nachfolge von Udo Reiter zu finden.

In Bedrängnis geriet Hilder kurz vor der Wahl auch durch einen Anmeldebogen der Gebühreneinzugszentrale. Hinter der Frage „Zahlen Sie Rundfunkgebühren?“ soll er handschriftlich ein „leider“ vermerkt haben, wie die „Magdeburger Volksstimme“ am Samstag berichtete. Das Formular sei „mutmaßlich“ von Hilder unterzeichnet worden. „Ich kann dazu nichts sagen. Ich kenne das nicht“, sagte Hilder dem Blatt. Womöglich handele es sich um eine Fälschung. Nach seinem Scheitern sagte er: „Schade. Gerne hätte ich dem MDR geholfen, aus seiner Krise herauszukommen.“ Die Watsche trifft ihn jedoch nicht wirklich hart. Sein Vertrag bei der „Leipziger Volkszeitung“ ist nicht gekündigt, ein Nachfolger noch nicht gesucht worden. Hilder wird deshalb Chefredakteur der „Leipziger Volkszeitung“ bleiben, wie die Mediengruppe Madsack, zu der die Zeitung gehört, am Montag mitteilte.

Hilder stand als Kandidat von außen für die Aufklärung der Affären beim MDR. Dazu gehören der Millionenbetrug beim ARD/ZDF-Kinderkanal und die Geschäftspraktiken des mittlerweile entlassenen Unterhaltungschefs Udo Foht.

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