Medien : Geschichts-Thriller

„Berlin, 17. Juni 1953“: ARD dreht Film zum Arbeiteraufstand

Alva Gehrmann

An diesem Ort hat vor wenigen Tagen ein Arbeiteraufstand stattgefunden: In Weißensee, auf dem Gelände des ehemaligen „Stern-Radio“, finden derzeit die Dreharbeiten zum Film „Ausnahmezustand – Berlin, 17. Juni 1953“ statt. Der soll nächstes Jahr zum 50. Jahrestag des Arbeiteraufstandes in der DDR in der ARD gesendet werden. Produziert wird der Film von Nico Hofmann zusammen mit dem WDR und SWR. Hofmann sowie zwei der Hauptdarsteller, Hans-Werner Meyer („Die Cleveren“) und Lisa Martinek („Der Verleger“), präsentierten am Freitag die ersten Szenen des Films.

Der 90-minütige Film erzählt vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse rund um den 17. Juni 1953 die fiktive Geschichte zweier ungleicher Brüder Helmut und Wolfgang Kaminski. Helmut, gespielt von Sebastian Koch, lebt in West-Berlin, sein Bruder Wolfgang (Hans-Werner Meyer) im Ostteil der Stadt. Zwei Ideologien, die aufeinanderprallen: Dann kommt der 17. Juni, hunderttausende Ostdeutsche erheben sich gegen die DDR-Regierung. Der Aufstand wird von der sowjetischen Armee niedergeschlagen. Ereignisse, die zu einer Wandlung der Figuren führen, ideologisch wie menschlich, weil Helmut sich in die Freundin des Bruders, gespielt von Lisa Martinek, verliebt.

Die Produzenten betonen, dass sie mit „Ausnahmezustand“ nicht das deutsche Geschichtsbuch abfilmen wollen. Es geht ihnen um spannende Geschichten in der spannenden Geschichte. Der Film soll ein Familienereignis werden: Durch die ästhetische Machart, durch die Besetzung. Sebastian Koch zum Beispiel, der auch schon im „Tunnel“ zum Mauerbau und im „Tanz mit dem Teufel“ zur Oetker-Entführung mitspielte. Beides waren Produktionen von Nico Hofmann. Und in diesem Stil soll auch der aktuelle Film sein. „Cineastisch“ nennt Hofmann das; er will eine Thrillerstruktur hineinbringen. Dazu hat er Regisseur Peter Keglevic engagiert, der für den „Tanz mit dem Teufel“ den Deutschen Fernsehpreis 2002 erhielt.

Beinahe vier Millionen Euro wird der Film über die Ereignisse des 17. Juni kosten, von denen Hans-Werner Meyer vor den Dreharbeiten „erschreckend wenig" gewusst hat. Wie viele andere auch. Historische Filme sind derzeit sehr beliebt. So war es auch nicht schwierig, Geldgeber zu finden. Die Hälfte der Kosten trägt die ARD, der Rest wird von der Filmstiftung NRW, dem Filmboard Berlin-Brandenburg und der Mitteldeutschen Medienförderung finanziert.

Dass ein Jahrestag ein guter Anlass ist, deutsche Geschichte zu erzählen, haben sich auch andere Sender gedacht: Deshalb wird es 2003 noch zwei weitere Filme zum 17. Juni geben. Einen im ZDF und einen in der ARD – produziert vom MDR. Dokumentationen werden folgen.

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