Medien : Geschmacksattacken

Werbung für Mode und alkoholische Getränke in der Kritik

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Den Deutschen Werberat haben im vergangenen Jahr deutlich weniger Beschwerden erreicht als 2002. Allerdings war eine etwa gleich hohe Zahl von Kampagnen Anlass des Protestes. 2003 trafen 606 Beschwerden zu 255 Kampagnen beim Werberat ein, sagte der Vorsitzende Jürgen Schrader am Dienstag in Berlin. 52 Kampagnen wurden vom Werberat beanstandet, in sieben Fällen sprach das Kontrollorgan öffentliche Rügen aus. Im Vorjahr waren 1985 Eingaben zu 270 Werbesujets beim Werberat eingelaufen.

Zwar habe 2003 im Gegensatz zum Vorjahr keine Kampagne besonders viele Protestschreiben hervorgerufen, sagte Schrader. Er wies aber darauf hin, dass öffentliche und wohltätige Institutionen immer häufiger mit fragwürdigen Methoden würben. Der Werberat warnte vor einem Sittenverfall. So seien in einem TVSpot der Dienstleistungsgewerkschaft verdi Jugendliche bei Selbstmordversuchen zu sehen: Eine junge Frau setzt sich eine Rasierklinge ans Handgelenk – daneben ein Bewerbungsschreiben für eine Lehrstelle, darauf der Stempel „Abgelehnt“.

Am stärksten betroffen von Protesten war die Bekleidungsindustrie, gefolgt von den Herstellern alkoholischer Getränke. Zentrales Motiv für Kritik ist nach wie vor die Diskriminierung von Frauen. Die Hamburger Autorecycling-Firma Kiesow handelte sich eine öffentliche Rüge mit Plakaten ein, die eine sich selbst befriedigende Frau mit dem Slogan „Selbermachen ist geil!“ zeigten. jbh

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