Medien : Geschnitten, nicht am Stück

Wenn Callgirls bürgerlich werden, gibt’s „Männer häppchenweise“

Thilo Wydra

Der Weg in ein normales Leben wird nicht ganz einfach sein, wenn die Ehefrau und Mutter früher als Callgirl gearbeitet hat. Als Doris (Gruschenka Stevens) samt Mann Klaus (Arnd Klawitter) und den Kindern Lotti und Tobias in eine neue, grundsolide Wohngegend zieht, holt sie ihre Vergangenheit schon am Einzugstag ein. Nachbar Reinhart (Hansa Czypionka) war einst ein Kunde der attraktiven Doris und droht alsbald damit, die Bombe platzen zu lassen, wenn sie ihm nicht gelegentlich entgegenkäme. Der Ehemann von Doris ahnt von alledem nichts, was auch so bleiben soll. Als Reinhart zudringlich wird, stürzt just eine schwere Tonskulptur auf den Lüstling, und schwuppdiwupp hat Doris eine Leiche im nagelneuen Keller. Was nun, was tun? Kurzerhand friert Doris den erhitzten Grabscher ein, fein säuberlich zersägt und in Tupperware abgepackt – den Hund freut’s. Reinharts Witwe Helga (Ulrike Kriener) ist um den Verlust nicht eben traurig, lacht sich einen Jungpolizisten an, derweil Kommissar Forchert (Heinrich Schmieder) Doris längst im Visier hat.

Gerade erst war von der Münchner Regisseurin Vivian Naefe – die etwa für den BR-Tatort „Kleine Diebe“ den Bayerischen Fernsehpreis erhielt – der ARD-Film „Verrückt ist auch normal“ zu sehen, schon liefert Pro 7 ihren nächsten Wurf: „Männer häppchenweise“ (20 Uhr 15). Übrigens beides Komödien, und beide mit Gruschenka Stevens als Hauptdarstellerin. Es sind dies Komödien mit deutlich schräg-schwarzem Humor, beinahe absurde Grotesken – gewiss nicht jedermanns Geschmack. Und wenn Gruschenka Stevens im Keller fleißig sägt, portioniert und schockgefriert, derweil Ulrike Kriener als neugierige Nachbars-Witwe die Lockenwickler zählt, dann kippt das manchmal um, schlingert haarscharf an Klischees vorbei, die keiner braucht. So mag es stellenweise am nicht vollends ausgegorenen Drehbuch von Saskia Kuipers liegen, dass, sobald Schwung in die Komödie kommt, schon wieder (unfreiwillig) auf die Bremse getreten wird. Doch die Schwächen kennzeichnen die 90 Minuten Film beileibe nicht von Anfang bis Ende; und überhaupt, wann hat man Ulrike Kriener, die schon kommenden Sonnabend im ZDF als seriöse „Kommissarin Lucas“ zu sehen sein wird, sich haarfärbend im Morgenrock gesehen und beobachtet, wie Witwe Helga schlussendlich mitsägt?

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