Medien : Gestelztes Schaulaufen

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Herr Steg, worüber haben Sie sich in den Medien in der vergangenen Woche am meisten geärgert?

Über das, was mich schon seit Jahren am meisten aufregt, ja zur Verzweiflung treibt: der anhaltende Niveau und Qualitätsverlust in den Unterhaltungsprogrammen. Ich gestehe, ich bin ein ausgesprochener Serienfan, und ich vergnüge und entspanne mich vorzugsweise bei Unterhaltungssendungen. Doch was einem da so im Laufe einer Woche angeboten und vorgesetzt wird, ist wirklich nur schwer erträglich. Nur gut, dass im Dschungel wieder Ruhe eingekehrt ist und die Aufforstungsarbeiten begonnen haben. „Big Brother“ ist einfach nur noch zum Gähnen, über „Die Bachelorette“ gehört das verhüllende Tuch des Schweigens. Wenigstens geben Carrie, Miranda, Samantha und Charlotte in ihrer „Manolo-Blahnik-Sex-and-the-City-Welt“ noch ein wenig Halt und Hoffnung. Aber was ist eigentlich in die ARD gefahren, am Donnerstag in einer länglichen Livesendung die Bambi-Verleihung durch ein privates Medienunternehmen zu übertragen. Dieses gestelzte Schaulaufen von Promis und Möchtegern-Promis. Wenn’s an guten Ideen mangelt, berichtet das Fernsehen über sich selbst. Die Selbstreferenzialität wird auf Kosten der Gebührenzahler auf die Spitze getrieben. Natürlich wird unnötig überzogen, die „Tagesthemen“ zur disponiblen Masse degradiert.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Die „Tagesthemen“ wurden am Donnerstag doch noch gesendet. Und Susanne Holst hat bewiesen, dass die ARD über viele gute Journalistinnen verfügt, mit denen gerade das öffentlich-rechtliche Fernsehen seinem Informationsauftrag ausgezeichnet gerecht werden könnte.

Thomas Steg

ist stellvertretender

Sprecher der

Bundesregierung.

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