Geteilte Freude : Bauer statt Buddenbrooks

Wenn Arte Filme koproduziert, sind sie vorher im Kulturkanal zu sehen – zu Lasten der ARD-Quote.

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Geteilte Freude. Armin Mueller-Stahl als Konsul Jean Buddenbrook. Foto: WDR
Geteilte Freude. Armin Mueller-Stahl als Konsul Jean Buddenbrook. Foto: WDRFoto: Bavaria Film GmbH/Stefan Falke

Von wegen Senderfamilie – wer reichlich sät, möchte eigentlich auch die volle Ernte einfahren. So oder so ähnlich muss sich ARD-Programmdirektor Volker Herres fühlen, wenn er sich nur die Quoten zweier ambitionierter Produktionen anschaut, die das Erste in den vergangenen Jahren mit auf den Weg gebracht hat. „Im Angesicht des Verbrechens“, die zehnteilige, preisgekrönte Krimiserie von Dominik Graf, und „Buddenbrooks“, der Zweiteiler von Heinrich Breloer – beide prestigeträchtigen Filme wurden zuerst auf Arte und später in der ARD ausgestrahlt. Mit dem Erfolg, dass sich dann weitaus weniger Menschen für die Ausstrahlung im Ersten interessierten als erwartet.

Am Montagabend war der erste Teil nach der Familiensaga von Thomas Mann der RTL-Soap „Bauer sucht Frau“ (7,11 Millionen Zuschauer) und dem ZDF-Krimi „Racheengel – Ein eiskalter Plan“ (5,97 Millionen) mit Gesine Cukrowski und Katharina Wackernagel klar unterlegen. Den Auftakt der zweiteiligen Fernsehfassung des 16,2 Millionen Euro teuren Kinofilms „Buddenbrooks“ in der ARD sahen 3,48 Millionen Zuschauer. Das dürften beim letzten Teil am Dienstagabend in der Primetime auch nicht viel mehr sein. Bereits am 23. Dezember hatte Arte die 180-minütige Literaturverfilmung an einem Stück gezeigt und bis zu 1,5 Millionen Zuschauer erreicht, das ist das Sechsfache des Senderschnitts.

Weiteres Beispiel: Das späte Finale von „Im Angesicht des Verbrechens“ in der ARD vor ein paar Wochen sahen 1,33 Millionen Zuschauer. Bei der Erstausstrahlung auf Arte im Frühjahr hatte die Serie den Marktanteil des Kultursenders schon verdreifacht. Irgendwo muss da wohl auch Zuschauerinteresse auf der Strecke geblieben sein.

Wenn Arte große Filme oder Mehrteiler koproduziert, dann sind sie jeweils wenige Tage oder gar Wochen vor der Ausstrahlung im Ersten oder im ZDF bereits bei Arte zu sehen. Ein Prinzip, das, zumindest von der ARD, überdacht werden könnte. „In toto rund fünf Millionen Zuschauer für Teil eins der ,Buddenbrooks‘ auf Arte und im Ersten – das ist ein schöner Erfolg für den Film und für die Senderfamilie“, sagt Volker Herres dem Tagesspiegel. „Wermutstropfen: Das Erste war nicht das Erste bei dieser TV-Premiere. ,Verfall einer Familie‘ lautet der Untertitel des Mann’schen Erstlingsromans.“ Die ARD-Familie, so Herres, müsse sich fragen, ob eine solche Programmierungs-Abfolge künftig noch sinnvoll ist.Markus Ehrenberg

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