Medien : GEZ-Gebühren: Jürgen Doetz im Gespräch

Die Ministerpräsidenten der Länder haben

Jürgen Doetz, 55, ist Geschäftsführer Medienpolitik/Unternehmenskommunikation des Berliner Fernsehsenders Sat 1 und Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation e.V. Jürgen Doetz fordert seit Jahren eine klare Definition des schwammigen Begriffes "Grundversorgung", mit seiner Ansicht nach öffentlich-rechtlichen Sender die Ausweitung ihrer Pragrammleistungen rechtfertigen.

Die Ministerpräsidenten der Länder haben die Erhöhung der Rundfunkgebühren für ARD und ZDF um 3 Mark 33 auf 31 Mark 58 zum 1. Januar 2001 beschlossen. Nimmt der Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation diese Erhöhung gottgegeben hin?

Gottgegeben ist hier der richtige Ausdruck, denn man kann schon den Eindruck haben, dass kein Politiker mehr wagt, am Heiligenschein der Öffentlich-Rechtlichen zu kratzen. Oder konkreter, einmal zu hinterfragen, wofür diese üppige Gebührenerhöhung überhaupt gebraucht wird. Es ist höchste Zeit, dass die verantwortlichen Medienpolitiker klare Vorgaben entwickeln für das, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Konkurrenz zu privatem Rundfunk veranstalten soll und darf. Ungebremste Expansion auf dem Rücken der Gebührenzahler - damit muss es ein Ende haben.

Die Länderchefs wollen eine Reformkommission zur Medienordnung einsetzen. Welche Erwartungen haben die privaten Rundfunkveranstalter, und was muss diskutiert werden?

Ich sehe in dieser Reformkommission die letzte Chance der Länder, auf die Rundfunkordnung in Deutschland gestaltend einzuwirken. Insoweit kommt dieser Kommission eine hohe Bedeutung zu, die ich sehr positiv bewerte, wenn man sich tatsächlich dazu entschließen sollte, überholte Strukturen zu verändern. Dies verlangt die Technologie, dies verlangt die Entwicklung innerhalb der Europäischen Union - und deshalb stehen die Länder an einer ganz entscheidenden Wegscheide: hinterher hinken oder gestalten. Der private Rundfunk muss weiter dereguliert werden, im Multimediabereich darf Wachstum nicht durch Regulierung gestört werden, und das alles möglichst bald. Das heißt, hier soll nicht wieder eine unendliche Diskussion angestoßen, sondern versucht werden, im Jahr 2001 zu einer neuen Medienordnung zu kommen, die dann auch neue Rundfunkänderungsstaatsverträge überflüssig machen muss.

Die Grundsatzentscheidung für eine Senderfamilie aus der Pro 7 Media AG, bestehend aus Kabel 1, N 24 , Pro 7, und Sat 1 ist gefallen. Was werden weitere Schritte sein?

Das sind Entscheidungen der Gesellschafter, respektive der Aktionäre, was die Pro 7 Media AG betrifft - die Geschäftsführungen können hier nur vorbereitende Arbeit leisten. Man kann aber sicher davon ausgehen, dass die nächsten Schritte sehr zügig erfolgen werden.

Der Axel Springer Verlag ist Gesellschafter von Sat 1. Wird er sich an der Senderfamilie beteiligen?

Da müssen Sie den Axel Springer Verlag fragen, das ist kein Thema für einen Geschäftsführer von Sat 1.

Was sind die wesentlichen Vorteile und Nachteile, sofern sie Ihren Sender, Sat 1 nämlich, betreffen? Wird Sat 1 vom Hauptstadtsender zur Außenstelle herabgestuft und Jürgen Doetz deren Dienstleiter?

Es war bisher ein großes Manko für Sat 1, in der Konkurrenz zu Pro 7 und RTL quasi auf sich allein gestellt zu sein. Während RTL einen Familienverbund aufbaute und Pro 7 mit Kabel 1 seine Gestaltungsmöglichkeiten erweiterte, blieb Sat 1 auf sich gestellt. Um im künftigen Wettbewerb, auch was multimediale Nutzungen betrifft, bestehen zu können, muss es für Sat 1 die Integration in eine Senderfamilie geben, mit all den Vorteilen, die sich zum Beispiel für die Programmplanung, für die Produktion und für den Werbezeitenverkauf daraus ergeben. Vor diesem Hintergrund sind Personalia zunächst einmal zweitrangig.

Nach Branchengerüchten wird die Senderfamilie auch den Medienstandort Berlin tangieren: Pro 7 will sich aus Berlin zurückziehen, umgekehrt soll der Nachrichtensender N 24 aus München-Ismaning an den Sitz von Regierung und Parlement wechseln. Die "ran"-Sendung von Sat 1 wird nach München-Unterföhring verlagert, wo bereits für Premiere World der Sport produziert wird. Ökonomisch und programmpolitisch klingen die Massnahmen sinnvoll - wo aber liegen die Vorteile für Berlin/Brandenburg?

Sie sprechen selbst von "Branchengerüchten", und zu Gerüchten möchte ich nicht Stellung nehmen. Nur soviel: für keines der von ihnen genannten Gerüchte gibt es einen "Beleg" im Sinne eines entsprechenden Beschlusses durch die Gesellschafter.

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