Medien : Gift und Galle

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Herr von der Tann, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert?

Heftig geärgert habe ich mich über die anhaltende Medienschelte wegen unserer Übertragung der Trauerfeier für Fürst Rainier von Monaco. Man kann ja der Ansicht sein, dass ARD und ZDF einen solchen Anlass nicht gleichzeitig wahrnehmen sollten, nur was da – wenn überhaupt – vor allem von Politikern, von denen man sonst nicht so viel liest, an Argumenten verwendet wurde, das reizt den Gallefluss.

Rainier sei (nur) ein Operettenfürst gewesen. (Mag ja sein, aber warum lässt Schily dann offiziell Trauer flaggen?)

Frau Griefahn von der SPD sagt, „wir hätten uns um die Trauerfeier von Arafat auch nicht gerissen“. (Möglich, und wenn ja zu Recht, angesichts des Chaos, das selbst Joschka Fischer eine Teilnahme unmöglich machte.)

Herr Neumann von der CDU sagt, „die Übertragungen sprächen nur bestimmte Kreise an“. (Dann jedenfalls weite Kreise; die Hochzeit von Charles und Camilla haben insgesamt über 7,5 Millionen Zuschauer gesehen.)

Alle sprechen von „Gebührenverschwendung“. (Kaum, die Bilder kosten nichts, der Rest der Operation jedenfalls nicht mehr als das durch die Operation eingesparte Programm.)

ARD und ZDF würden „gleiche Programme“ senden. (Stimmt nicht, wie jeder weiß, der einmal unterschiedliche Kommentare, Einspielfilme, Moderatoren und Gesprächspartner verglichen hat.)

Jetzt will Herr Neumann nach einer Meldung von ddp „den politischen Druck erhöhen“. Wie er es mit der Rundfunkfreiheit hält, lässt er nicht mitteilen.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Gefreut habe ich mich darüber, dass die steigende Tendenz der Zuschauerzahlen unseres Wissenschaftsmagazins „W wie Wissen“ auch in dieser Woche anhielt.

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