Glamourgirls : Kühe machen muh

Gülcan und Collien spielen Bauerntheater. Dieses Serienkonzept hat ja immerhin schon mal funktioniert, denn auf die Idee ist Pro 7 nicht allein gekommen. Doch an Paris Hilton und Nicole Richie kommen Gülcan aus Lübeck und Collien aus Hamburg nicht heran.

Elena Senft
Guelcan
Wo ist die Milch? Gülcan und Collien spielen Glamourgirls im Stall. -Foto: Pro 7

Landleben läuft gut im Fernsehen. Wenn Menschen zum ersten Mal auf einem Traktor sitzen und beim Betreten eines Kuhstalls ob des Geruchs fast kollabieren, sind die Zuschauer begeistert. Das haben Formate wie „Bauer sucht Frau“ gezeigt. Deswegen hält sich wohl die Pro-7-Sendung „Gülcan und Collien ziehen aufs Land“ auch bei stabilen 1,67 Millionen Zuschauern. Pro 7 schickt aber keine Singles auf Bauernsuche an die frische Landluft, sondern die angeblich so wahnsinnig großstädtischen und luxusverwöhnten Viva-Moderatorinnen Gülcan Kamps und Collien Fernandes. Drei Wochen heuern sie als Praktikantinnen auf dem Bauernhof der Familie Estermann in Bayern an – und müssen Verzicht üben: Kein Geld! Keine Kreditkarten! Kein Luxus!

Ein „Kulturschock“ für die inszeniert mit Schminkkoffern und Stilettos ausgestatteten Girlies wurde angekündigt, als sie mit dem Hubschrauber vom roten Teppich in den Kuhstall flogen! Und dann passierte im Laufe der ersten drei von acht Folgen das, was man eigentlich auch erwartet: nichts. Weil nun mal nicht viel passiert in einem „einfachen“ Leben, womit ein Mensch, der sonst etwas mehr Luxus gewöhnt ist, nicht einigermaßen problemlos umgehen könnte. Es ist nur ein bisschen ländlicher, der Tagesablauf ist anders, und die Leute sprechen komisch.

All das führt dazu, dass die beiden Moderatorinnen mit miserablem schauspielerischen Talent unentwegt so tun, als wäre alles unheimlich ungewohnt und neu für sie. Nicht weil sie tatsächlich noch nie einen Korkenzieher benutzt oder ein Bett bezogen haben, sondern weil sonst der Serie noch das letzte bisschen Inhalt fehlen würde. Am Ende wirken Gülcan und Collien nicht wie Glamourgirls, sondern wie weltfremde Idioten, über die die Bauernfamilie nur müde lächeln kann.

Aber immerhin hat dieses Serienkonzept ja schon mal funktioniert, denn auf die Idee ist Pro 7 eben nicht allein gekommen. Vorbild der Serie ist „The Simple Life“, das US-Pendant, in dem Hotelerbin Paris Hilton und ihre Freundin Nicole Richie das Leben abseits des Jetsets kennenlernen. Schon „The Simple Life“ erschöpfte sich relativ schnell, eben weil die Handlung allein aus zwei Personen besteht, die in eine fremde Welt gestellt wurden. Daher lebte die Serie davon, sich aus rein voyeuristischem Interesse Hilton und Richie anzugucken. Bei „Gülcan und Collien ziehen aufs Land“ reicht das nicht. Denn an den beiden hat man sich sehr schnell sattgesehen. Eben deswegen, weil sie nicht Paris und Nicole sind, sondern Gülcan aus Lübeck und Collien aus Hamburg, denen man es nicht abnimmt, wenn sie die Laufgeschwindigkeit einer Kuh auf 500 Stundenkilometer schätzen.

Als pfiffigen Authentizitätskniff gibt es noch die „Girlscam“, eine von den Mädchen in ihren Zimmern als privates Tagebuch verwendete Kamera, die vorgibt, man würde nun die richtig spannenden Details über das grausame Landleben erfahren. Gülcan erzählt, es sei spät abends und sie sei immer die Letzte, die ins Bett geht. Sonst ist im bayerischen Grainbach schon tote Hose. Alle schlafen. Inklusive des Zuschauers. Elena Senft

„Gülcan und Collien ziehen aufs Land“, Pro 7, 20 Uhr 15

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