Medien : Gnade, Liebe und ein Giftmord

Tom Peuckert

Der Schriftsteller Arthur Koestler wird im spanischen Bürgerkrieg als kommunistischer Spion verhaftet und zum Tode verurteilt. Er entgeht der Hinrichtung durch einen Gefangenenaustausch, sitzt später in einem französischen Internierungslager, flieht nach England. Wegen unorthodoxer Anschauungen macht er sich in der Sowjetunion unbeliebt, bald trachten Stalin wie Hitler ihm nach dem Leben. Es sei das normale Leben eines mitteleuropäischen Intellektuellen in der Epoche des Totalitarismus gewesen, schreibt Koestler in seiner Autobiografie. Das zweiteilige Hörspiel „Menschenopfer unerhört“ basiert auf Koestlers Tagebüchern aus Spanien. Eine spektakuläre Chronik, die den Jüngeren etwas von der Gnade der späten Geburt erzählt (Deutschlandradio Kultur, 2. Mai, 21 Uhr 33, UKW 89,6 MHz; Teil 2 am 9. Mai).

Ein dramatisches Phänomen im politischen Betrieb ist der Rücktritt. Selten geschieht das freiwillig und reinen Herzens, meist wird irgendwo in der Kulisse mit Dolchen gefingert. Die Autorinnen Helgard und Heike Haug haben ein Feature über Rücktrittsdramaturgien in der Politik gemacht. „miles and more “ beschäftigt sich mit Mustern und Ritualen, die beim Abgang eines Großpolitikers immer wieder zu beobachten sind: bürokratische Pannen, die im Medienfeuer zu Skandalen aufgekocht werden, öffentlicher Rachedurst und die stets auftauchenden Brutus-Figuren (SWR 2, 3. Mai, 20 Uhr 03, Kabel UKW 107,85 MHz).

Ein schönes Märchen für die Nietzscheaner unter uns. Vor einigen Jahren fand man im Rheinsberger Schloss unter alten Dielenbrettern eine verrostete Kiste aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Darin halbvermoderte Papiere aus Bayreuther Archiven. Unter den Papieren handgeschriebene Fragmente einer Opernpartitur. Experten kamen zu dem Schluss, es handele sich um Musik aus Friedrich Nietzsches Feder. Thema der Oper: Wagners Frau Cosima, die unglückliche Liebe des Philosophen. Der Komponist Siegfried Matthus hat die Fragmente rekonstruiert und mit einer Rahmenhandlung versehen. Unter dem Titel „Cosima“ kommt die Nietzsche-Matthus-Oper nun im Theater Gera zur Uraufführung, das Radio ist live dabei (Deutschlandradio Kultur, 5. Mai, ab 19 Uhr 30).

Ein Krimi, der das Pubikum wirklich fesseln will, sollte mit starken Effekten beginnen. Autor Ralph Oehme hatte da eine überzeugende Idee. Sein Krimi „Das römische Bad“ beginnt mit einem Giftmord. Was an sich unspektakulär wäre, würde nicht der Ermordete selbst in die Handlung eingreifen. Während die Polizei erste Vermutungen anstellt, kommentiert der Tote das Geschehen aus dem Jenseits. Natürlich weiß er zunächst alles besser als der ermittelnde Kommissar. Aber irgendwann mischen sich andere Stimmen aus dem Geisterreich ein, die ihre eigene Version von der Tat und ihren Hintergründen haben. Bis die Verhältnisse nicht nur im Dies-, sondern auch im Jenseits unheilbar verworren scheinen (Deutschlandradio Kultur, 6. Mai, 15 Uhr 05).

Der Kalte Krieg fand auch im Radio statt, wie eine kleine Reihe von Hörstücken beweist. Präsentiert werden akustische Dokumente aus den Jahrzehnten der deutschen Teilung. Erhellende Montagen etwa aus den Wahlkampfreden Konrad Adenauers oder den Propagandaauftritten seines Gegenspielers Walter Ulbricht. O-Töne vom 1. Mai 1959 in Ost- und Westberlin und die sehr unterschiedlichen Berichte im Ost- und Westradio anlässlich des Brandt-Besuches 1970 in Erfurt. Marianne Weils „Der Kalte Krieg“ ist eine radiophone Revue deutsch-deutscher Doktrinen, Empörungen, Hysterien. Fast schon unglaublich für die glücklich wiedervereinten Zeitgenossen (Kulturradio, 7.–11. Mai, jeweils 14 Uhr 10, UKW 92,4 MHz).

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