Golden League : TV-Hürden für Leichtathletik zu hoch

ARD und ZDF beklagen die mangelnde Attraktivität des Leichathletikssports. Es fehlen deutsche Weltklasse-Athleten, die sich international behaupten können.

Die Golden League ist bei den Leichtathleten ein Renner. Allerdings nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Deutschland. Das ZDF ist nur live dabei, wenn sich die Stars zum Finale der europäischen Premium-Serie am 16. September beim Berliner Istaf treffen, von allen sechs Stationen überträgt nur der Bezahlsender Premiere. „Es ist momentan nicht realisierbar, dass abends zur Primetime bei uns internationale Leichtathletik-Veranstaltungen aus dem Ausland übertragen werden“, sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz. Dafür habe die Leichtathletik derzeit nicht den Stellenwert. „Wir brauchen einfach deutsche Weltklasse-Athleten, die sich international behaupten können.“

Helmut Digel macht sich Sorgen um die Fernseh-Präsenz. „Deutschland ist nach wie vor für uns ein besonderes Problem“, erklärt der Vize-Präsident des Weltverbandes IAAF und beklagt: „Es ist unverständlich, wie sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen hier verhält. Das Fernsehsystem muss auf den Prüfstand. So wird das nicht zu halten sein.“ Die Argumentation von ARD und ZDF, „dass Leichtathletik nicht attraktiv genug ist, um im Abendprogramm zu überleben“, hält der Tübinger Sportsoziologe für „völlig falsch“.

ZDF weist Kritik zurück

Gruschwitz lässt diese Kritik nicht gelten: „Das ZDF hat gemeinsam mit der ARD ausreichend Leichtathletik im Programmangebot“, betonte der ZDF-Sportchef. Als Koproduktionen werden in dieser Saison der Europacup (München/Juni), die deutschen Meisterschaften (Erfurt/Juli) und die Weltmeisterschaften aus Osaka (25. August bis 2. September) live präsentiert. Der ZDF-Vertrag mit dem Istaf, zu dem in diesem Herbst rund 70.000 Fans im Olympiastadion erwartet werden, läuft bis 2008.

Die IAAF strebt bei der Vermarktung der Leichtathletik im TV-Programm ein einheitliches Profil an und hat laut Digel dabei bereits erhebliche Fortschritte gemacht. Rund 60 neue Fernsehverträge konnten demnach abgeschlossen werden, Fans in 150 Ländern können somit im WM-Jahr TV-Bilder von der Golden League sehen. Ralf Jarkowski, dpa

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