Medien : Golf statt Krise

Verleger Dirk Manthey versilbert seine Beteiligungen an der Milchstraße und zieht sich aus dem Geschäft zurück

Ulrike Simon

Seit zwei Jahren war es Dirk Manthey anzumerken, er strahlte eine gewisse Resignation aus. Ausgerechnet Manthey, der einstige Sonnyboy. Wenn er Geld brauchte, verkaufte er schon früher öfter mal Anteile an seinen Magazinen. Vor einiger Zeit gab es dann erste Anzeichen, dass sich der Verlagsgründer zurückziehen will. Zuletzt sprach er von einer Holding-Lösung für die Hamburger Verlagsgruppe Milchstraße, an deren Magazinen der Burda-Verlag und Rizzoli aus Italien in jeweils unterschiedlicher Höhe beteiligt sind. Aufwand und Kosten würde eine Holding sparen, sagte Manthey, außerdem seien dadurch Verluste steuerlich besser gegen Gewinne anderer Titel zu verrechnen. Zur Holdinglösung kam es nicht. Und mittlerweile geht Manthey davon aus, dass sich die Branche so schnell nicht erholen wird. Deshalb hat er die Konsequenzen gezogen. Eine vor Jahren mit Burda und Rizzoli vereinbarte Option ermöglichte ihm, seine Anteile zu einem Wert zu verkaufen, der sich laut „Kress“ an den (besseren) Ergebnissen der Vergangenheit orientiert. Mit jedem Jahr wäre der Wert gesunken. Also versilberte er seine Anteile jetzt. „Money talks“, kommentiert er das.

Einige Jahre lang galt Mantheys Verlagsgruppe Milchstraße als jung, unkonventionell und provokant. Immer einen Schritt voraus. Bei Anzeigenkunden hatte sie einen dicken Bonus. Mantheys Zeitschriften galten als Erfolgsgaranten. Den Durchbruch hatte er 1990 mit „TV Spielfilm“. Mit „Max“ setzte er sich 1991 ein Denkmal als kreativer Blattmacher, mit „Fit For Fun“ hatte er den Ruf als Lifestyle-Experte gesichert. Dann kam der Internet-Boom, Manthey gründete eine New-Economy-Firma, flog hoch und fiel tief. Das Glück schien ihn verlassen zu haben. Er war stolz auf seine Blätter, sie waren seine „Babys“. Um so mehr schmerzte ihn, sein Wirtschaftsblatt „Net Business“ einzustellen, „Tomorrow“ auf Sparflamme zu setzen und die Illustrierten-Pläne für „Max“ zu begraben. Manthey hatte viel eigenes Geld investiert – zu einer Zeit, in der die Anzeigenkrise schon ausgebrochen war und sein Gespür für Erfolgreiches nachgelassen hatte. Die erfolgsverwöhnte Verlagsgruppe litt mehr als andere, da sie nie zu Kostenmanagement gezwungen war und stärker von Anzeigenerlösen abhängt als die Konkurrenzverlage. 2001 zählte die Milchstraße 850 Mitarbeiter, im Sommer war sie auf 630 geschrumpft, jetzt beschäftigt sie nach mehreren Kündigungswellen noch 520 Mitarbeiter, der Umsatz ist 2002 auf 189 Millionen Euro (nach 223 im Vorjahr) gesunken.

Zum 1. Januar 2003 hat Manthey nun seine 20 Prozent an „Cinema“, und 25 Prozent an „Amica“ an das Joint-Venture von Burda und Rizzoli abgegeben. Bei „Max“ reduzierte er seine Beteiligung um die Hälfte auf 25 Prozent (der Rest gehört Rizzoli, Burda ist ganz raus). Ebenfalls 25 Prozent gehören ihm noch an „Tomorrow“ (zuvor: 51 Prozent), die Mehrheit hat jetzt Burda. An „Fit For Fun“ hält Manthey unverändert 20 Prozent. Abgegeben hat er seine restlichen zehn Prozent an „TV Spielfilm“. Durchgerechnet hält Burda daran jetzt mit 60 Prozent die Mehrheit, Rizzoli gehören 40 Prozent.

Aus der Geschäftsführung ist Manthey ausgeschieden, die Geschäfte hatte schon in der Vergangenheit der Vorsitzende, Martin Fischer, geführt. Manthey wird nun noch mehr Golf spielen und Zeit in seinem Haus in Malibu verbringen. Auch wenn er alleinverantwortlicher Herausgeber und Verleger der Zeitschriften bleibt. Die Eigenständigkeit der Milchstraße, sagt er, sei unangetastet.

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