Medien : Goodies für die Leser

Computer-Zeitschriften werben mit hochwertiger Gratis-Software um Käufer

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Von Kurt Sagatz

Die Leser von „Computer Bild Spiele“ haben sich längst daran gewöhnt: Immer, wenn sie sich die Zeitschrift kaufen, bekommen sie gleichzeitig eine CD mit einem kompletten Gratisspiel automatisch dazu. Mal handelt es sich um ein Renn-Spiel, mal um eine Verkehrssimulation, mal um ein Strategiespiel wie „Commandos – hinter feindlichen Linien“. Den größten Coup hat das Spiele-Magazin mit der neuesten Ausgabe gelandet: Die Vollversion von Lara Crofts „Tomb Raider 3“ befindet sich exklusiv auf der Heft-CD. Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt, schließlich sollen sich die Fans der agilen Archäologin auf das nächste Kauf-Abenteuer einstimmen, das unter dem Titel „Tomb Raider – Angel of Darkness“ am 15. November in den Handel kommt.

„Im Computerbereich kann es sich keine Zeitschrift leisten, ohne hochwertige CD-Beigabe zu erscheinen“, beschreibt Axel Telzerow, Chefredakteur von „PC Praxis“ den Trend. Immerhin sieben Vollversionen befinden sich im aktuellen Heft. Meist handelt es sich um Programme, die inzwischen in einer weiter entwickelten Version vorliegen, aber auf den meisten Computern noch immer funktionieren und damit bares Geld wert sind. Um welche Titel es sich handelt, wird nicht dem Zufall überlassen. Regelmäßig befragt das Magazin seine Leser, welche Software-Kaufanreize sie besonders interessieren.

Der Trend zu immer hochwertigerer Bewerbung der Computerhefte mit Zusatz-CDs kommt nicht von ungefähr. Der Markt ist härter geworden, selbst Branchenprimus „Computer Bild“ verbuchte im zweiten Quartal ein Auflagenminus von über sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings lag das Heft mit 887 000 verkauften Exemplaren immer noch einsam an der Spitze, gefolgt von Titeln wie „PC Welt“ (513 000) und „Chip“ (443 000 verkaufte Exemplare). Wer erfolgreich sein will, muss dafür etwas tun. Und die CD gehört dazu, wie zuletzt „Computer Bild“ zeigte, deren zweiter September-Titel eine einzige Auflistung der mitgelieferten Software-Highlights war.

Horst Ohligschläger, Chefredakteur der Internet- und Computerzeitschrift „com! online“ (270 000 Exemplare im zweiten Quartal, Tendenz steigend), hält von einer derart dominierenden Bewerbung nichts. „Das Heft darf nicht hinter der CD verschwinden“, sagt er. Freilich sei die CD ein Lockmittel, aber es dürfe nicht das alleinige Kaufargument sein. Dass allerdings auch er die Bedeutung der Umsonst-Programme nicht unterschätzt, macht die neueste Ausgabe von „com! online“ deutlich. Abonnenten erhalten diesmal nicht nur die übliche Beigabe-CD, sondern gleich noch eine Extra-Silberscheibe mit speziellen Computer-Tools und einem ausgewachsenen Webseiten-Programm. Bislang kamen nur die Kiosk-Käufer in den Genuss dieser zweiten CD, die dafür aber auch einen höheren Preis für das Heft zahlen mussten. In diesem Monat sollten nun also die Abonnenten „ein paar Goodies“ extra erhalten, wie Ohligschläger es formuliert.

Aus Sicht der Absatzförderung spielen beide Käufergruppen eine wichtige Rolle. Die treuen Abonnenten erfreuen den Vertrieb, da sie die Einnahmen langfristig sichern. Über die Kiosk-Käufer freut sich zudem noch die Anzeigenabteilung, erklärt Ohligschläger, denn die bringen höhere Reichweiten, neue Lesergruppen und sorgen insgesamt für eine Verjüngung der Leserschaft.

Eigentlich, so sollte man meinen, profitieren von den Software-Werbeträgern also alle Seiten: Die Leser, die dadurch preisgünstig an fast neue Programme kommen, die Hefte, die ihre Auflagen steigern und sichern, und natürlich die Software-Firmen. Denn die meisten Zeitschriften zahlen dafür, die Programme hunderttausendfach auf CDs zu pressen, und viele Leser werden so dazu animiert, gleich die aktuelle Version des Programms zu kaufen.

Doch von jeder Regel gibt es eine Ausnahme: Als „Computer Bild Spiele“ das letzte Mal eine Vollversion von Lara Croft auf CD brannte, handelte sich das Magazin eine Klage von einem Computerunternehmen ein, das seine Wettbewerbsrechte geschädigt sah. Vor Gericht konnte sich das Unternehmen mit dieser Auffassung allerdings nicht durchsetzen, es unterlag bislang in allen Instanzen. Die Richter kamen zu dem Urteil, dass Heft und CD eine redaktionelle Einheit bilden.

Wie weit die Verzahnung der verschiedenen Medien geht, zeigt sich bei der „PC Welt“. Ein Redakteur des Heftes ist ausschließlich mit der Zusammenstellung und Gestaltung der CD beschäftigt, sagt Chefredakteur Jürgen Bruckmeier. Zudem arbeiten ihm die anderen Redaktionen zu, denn zu jedem Vollprogramm erscheint ein gesonderter Beitrag im Heft. Die Verlinkung der Inhalte zwischen Heft und CD wird schließlich noch bis ins Internet zur Homepage der Zeitschrift sowie zu den Webseiten der Programmanbieter fortgesetzt.

Dass die Leser der Computer- und Internet-Zeitschriften diesen Service annehmen, kann man überdies an den Magazinen selbst ablesen. In regelmäßigen Abständen stehen in nahezu allen Zeitschriften immer wieder die gleichen Beiträge, wie man den Computer nach all den Versuchen mit Gratissoftware wieder aufräumt. Axel Telzerow von „PC Praxis“ sieht darin nichts Negatives: „Aufräumen gehört dazu, im nächsten Heft werden wir einen Beitrag darüber haben.“

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