Medien : Gottschalk sagt Berlin ab

„Wetten, dass ...?“ bleibt ein Wanderzirkus - auch Wowereit zuliebe

Hannah Pilarczyk

Es war ein freundliches Machtwort: „Wir bleiben ein Wanderzirkus.“ Am Freitag Mittag beendete Thomas Gottschalk alle Diskussionen darüber, ob sich die ZDF-Show „Wetten, dass ...?“ dauerhaft in Berlin niederlassen werde. Seit dem Amtsantritt von Klaus Wowereit als Regierendem Bürgermeister hatte sich dieses Gerücht hartnäckig gehalten. Wowereit hatte sich wiederholt für die Ansiedlung ausgesprochen. Bei einer Pressekonferenz zur Show heute Abend in der Waldbühne erteilte Gottschalk der Hauptstadt eine Absage – und damit auch seinem persönlichen Freund Klaus Wowereit.

„Ich möchte ihm nicht schaden“, begründete Gottschalk die überraschende Entscheidung. Anfang Juni war bekannt geworden, dass Wowereit eine Einladung nach Calabasas in Gottschalks Wahlheimat Kalifornien angenommen hatte. Offizieller Anlass der Dienstreise war die Abschlussfeier einer Highschool, auf der Wowereit die Laudatio auf die Absolventen halten sollte. Ungewöhnlich genug, dass der Bürgermeister der deutschen Hauptstadt vor Schülern einer kalifornischen Kleinstadt sprechen sollte. Noch ungewöhnlicher ist aber, dass Gottschalks jüngster Sohn zu den Highschool-Absolventen gehörte. Und dass Wowereit und sein Lebensgefährte bei Familie Gottschalk in Malibu wohnten. Noch ein Mittagessen mit Calabasas’ Bürgermeister, dann gab es keine offiziellen Termine mehr und das Paar machte sich in den Urlaub nach Las Vegas.

Zurück in Berlin musste sich Wowereit den unangenehmen Fragen der Opposition nach dem Charakter seines USA-Trips stellen: „Dienstliches Privatvergnügen oder private Dienstreise?“ wollte etwa die FDP–Fraktion in der letzten Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses wissen. Die CDU spekulierte darüber hinaus, ob nicht auch geschäftliche Interessen eine Rolle bei der Reise gespielt haben könnten: Gottschalks TV-Produktionsfirma soll mit dem Umzug von München nach Berlin geliebäugelt haben – und Berlin bereits einen Hangar am Flughafen Tempelhof als mögliches Studio in Aussicht gestellt haben. Vorsitzender des Aufsichtsrates der für Tempelhof verantwortlichen Flughafengesellschaft ist übrigens Klaus Wowereit. Gottschalk sah sich angesichts solcher Mutmaßungen wohl genötigt, endgültig Abstand von Berlin als ständiger „Wetten, dass ...?“-Stadt zu nehmen: „Wenn wir uns dort niedergelassen hätten, hätte es doch dauernd geheißen: ,Haben die ihm eine Halle geschenkt?’“

Dabei spricht einiges für die Hauptstadt: Die Produktionskosten könnten mit einem festen Studio deutlich gesenkt werden, die Stars würden bereitwilliger und schneller nach Berlin als in die Stadthallen von Böblingen oder Braunschweig kommen. Gerade die Provinz schien bislang das größte Hindernis in Sachen Umzug zu sein. Die im ZDF-Fernsehrat vertretenen Länder machten gegen die Hauptstadt mobil und setzten sich für das „Wanderzirkus“-Modell ein. Tatsächlich hat die Begeisterung in ganz Deutschland für Europas größte Fernsehshow Gewicht. Die Berliner gelten als mit Prominenten und Großveranstaltungen verwöhnt. So ist Gottschalk doch auch zufrieden, dass die „Wetten, dass ...?“-Karawane weiter durch deutsche Hallen zieht: „In der Kleinstadt sind wir einfach die Attraktion.“

Ganz schlecht kommt Berlin in diesem „Wetten, dass ...“-Jahr aber auch nicht weg. Nach der Absage vom eigentlichen Ausrichtungsort Bregenz ist Berlin nach Xanten, Palma de Mallorca und Paris erst die vierte Stadt, aus der die alljährliche Open-Air-Sommerausgabe gesendet wird. Noch vor Bregenz war die Olympiastadt Athen im Gespräch, doch dieser Plan wurde aus Sicherheitsgründen wieder aufgegeben. Nun also Berlin – und das gleich im Doppelpack. Die erste Show nach der Sommerpause wird nämlich auch aus Berlin kommen, dann aber aus der Berlin Arena. Und obwohl die heutige Sommershow vom Publikum her alle Hallensendungen in den Schatten stellt – mit knapp 19 000 Zuschauern passen über zehn Mal so viele Menschen in die Waldbühne wie in die üblichen Hallen – dürfte die übernächste Sendung am 2. Oktober eine Show der Superlative werden: Es ist die 150. „Wetten, dass...?“-Ausgabe.

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