Grace Kelly : Die verborgene Frau

Eine neue ZDF-Dokumentation beleuchtet die zwei Leben der Grace Kelly. Die deutschen Wurzeln ihrer Mutter spielen dabei ebenfalls eine Rolle.

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Eine der meistfotografierten Frauen der Welt. Wo Grace Kelly auftauchte, da liefen die Menschen zusammen. Auch 1956 in New York, kurz vor ihrer Heirat mit Fürst Rainier. Foto: AFP
Eine der meistfotografierten Frauen der Welt. Wo Grace Kelly auftauchte, da liefen die Menschen zusammen. Auch 1956 in New York,...Foto: AFP

„Wenn man eines Tages mein tatsächliches Leben als Frau erzählte, dann würde man den Menschen erkennen, der ich wirklich bin.“ Was sich Grace Kelly für sich selbst wünschte, war für die öffentliche Medienfigur nicht zu haben. Entsprechend widmeten sich die meisten dokumentarischen Arbeiten dem Glamour-Aspekt, der royalen Märchengeschichte und den Geschicken im Fürstentum Monaco. Es mangelte oftmals an einer wirklichen Deutung ihres komplexen Lebens, ihres dualen Charakters zumal. Eines Lebens, das sich in zwei Hälften aufteilt, die beide jeweils 26 Jahre und fünf Monate betragen. Wie eine Spiegelung.

Die von Filmautorin Ursula Nellessen neu gefertigte Dokumentation „Die zwei Leben der Grace Kelly“ beleuchtet neue Aspekte im Leben des Hollywood-Stars, der Märchen-Prinzessin und der Grace Kelly. Die Doku ist dabei angenehm unspekulativ gehalten.

Die Vorgeschichte beginnt in Deutschland und in Irland: Die Großeltern sind Einwanderer, die sich in den 1880er Jahren in den Vereinigten Staaten niederlassen, in Philadelphia. Dort kommen Grace Kellys irischer Vater John B. Kelly und ihre deutschstämmige Mutter Margaret Majer zur Welt, von der Grace Kelly die ersten sechs Jahre ihres Lebens nur Deutsch hört. Dass Grace Kelly diese Herkunft – etwa in Form von großem Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein – ein Leben lang in sich trug, das wurde über Jahrzehnte bewusst marginalisiert.

Schon den Bossen und PR-Agenten der amerikanischen Major-Studios erschien es in den 50er Jahren als ein tunlichst zu kaschierender „Makel“, dass die nur vermeintlich Kühle, diese unnahbar blonde Schöne, auch „german“ war. Sie wurde stets nur als „irish-american girl“ beworben. Und da ist Alfred Hitchcock: Der legendäre „Master of Suspense“ besetzte seine favorisierte Blondine gleich in drei Filmen: „Bei Anruf Mord“ (1954), „Das Fenster zum Hof“ (1954), „Über den Dächern von Nizza“ (1955). Doch „Hitch“ ließ seine Grace nur sehr ungern ziehen, als sie am 19. April 1956 Fürst Rainier III. von Monaco heiratete – die „Märchenhochzeit des Jahrhunderts“, mit 30 Millionen Zuschauern an den Bildschirmen weltweit.

1962 bietet Hitchcock Fürstin Gracia Patricia die Hauptrolle in dem Psycho-Kammerspiel „Marnie“ an. Begeistert sagt sie zunächst zu. Doch die Monegassen wollen ihre Fürstin nicht mehr auf der Leinwand sehen, überdies droht Frankreichs Präsident Charles De Gaulle Fürst Rainier 1962, die Steueroase an der Riviera zu umstellen und einzunehmen. Grace setzt sich hin und schreibt „Hitch“ einen Brief. Es ist eine Absage, wider ihren und seinen Willen. Die Staatsräson zwingt sie dazu. Ein herber Schlag. Sie wird nie wieder spielen.

Das Ende ist tragisch. Es kommt ebenso abrupt wie jenes einer Lady Diana 15 Jahre später: Grace Kelly verunglückt am 13. September 1982 auf den steil bergab führenden Serpentinen oberhalb Monacos, am 14. September stirbt sie. Die Welt steht unter Schock, Monaco ist in Paralyse, ein Mythos ist geboren. Grace/Gracia wird gerade einmal 52 Jahre alt. Das ist nunmehr 30 Jahre her – und Anlass für diese seriöse und solide ZDF-Dokumentation, für die teils auch neue Quellen ausgewertet wurden.

Von ihrem langjährigen Freund, Regisseur und Mentor Hitchcock stammt ein ambivalenter Satz, in dem mehr Wahrheit enthalten ist, als man zunächst denken mag: „Grace ist ein schneebedeckter Berg, und wenn der Schnee schmilzt, entdeckt man darunter einen glühenden Vulkan.“

„ZDF-History: Die zwei Leben der Grace Kelly“, ZDF, Sonntag, 23 Uhr 55

Von Thilo Wydra ist 2012 „Grace – Die Biographie“ im Aufbau Verlag, Berlin, erschienen.

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