Medien : Gratis-Tragödie des Bezahl-Fernsehens

Joachim Huber

Sie wissen, sie haben verloren. Aber sie zeigen es nicht. Noch läuft das Fußballweltmeisterschaftsturnier, noch reüssiert Premiere als einziger WM-Sender, der alle 64 Spiele live überträgt. Ein Team, ein Geist, kleinere Aussetzer. Die Mikrofonhalter Boris Becker und Claudia Effenberg – geschenkt. Als Experten wurden Trainer-Veteranen wie Ottmar Hitzfeld und Otto Rehhagel gecastet plus der Honorarnörgler Stefan Effenberg. Das alles ist nicht einfallsreicher, nicht einfallsloser als bei den Free-TV-Sendern ARD, ZDF und RTL. Und Commentatore Marcel Reif ist sowieso gut.

Premiere hat 3,5 Millionen Abonnenten, über zwei Millionen sollen die Weltmeiterschaft im Abofernsehen verfolgen. Das klingt toll – aber wie mickerig ist diese Zahl im Vergleich zu den galaktischen Quoten, die die Sender im frei empfangbaren Fernsehen einfahren. Keiner hat etwas gegen Fußball im Pay-TV, solange der entscheidende Ball im Free-TV gezeigt wird. Das wollte Georg Kofler nicht einsehen. Der Premiere-Chef hat die Bundesliga-Rechte sauber an Arena verzockt, weil er sich vorgegaukelt hatte, er könnte die „Sportschau“ der ARD verdrängen. Das war so wahnsinnig, wie die Idee wahnsinnig ist, ein Spiel der deutschen Mannschaft sollte nicht live bei ARD & Co. laufen. Fußball im Free-TV gehört als Artikel 142 ins Grundgesetz.

Schadenfreude gegenüber Premiere ist falsch aufm Platz. Hier wird seit Jahren Fußball erstklassig gearbeitet. Der Bundesliga-Sender hat die Konferenz-Schaltung aus dem Radio ins Fernsehen übersetzt, die jetzt, bei den parallel ausgetragenen Finalspielen der Vorrunde, ihren Reiz entfaltet.

Das Fernsehen des Weltmeisterschaftsturniers im Gute-LauneDeutschland eilt von Triumph zu Triumph. Beim Bezahlsender gibt’s die Tragödie dazu. Gratis.

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