Gratulation : Unprätentiös im Erfolg

70 Zeilen zum 70. Geburtstag von Dieter von Holtzbrinck.

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Dieter von Holtzbrinck. Foto: Thilo Rückeis
Dieter von Holtzbrinck. Foto: Thilo Rückeis

New York, Carnegie-Hall, in den neunziger Jahren, Jahrestreffen der Holtzbrinck-Verlagsgruppe. Den Teilnehmern, davon viele aus England und den Vereinigten Staaten, wird die Entwicklung der Gruppe vorgestellt. Doch da läuft keine hochpolierte Power-Show, eher ein fast familiärer Diavortrag mit Human-Touch-Bildern, interpretiert vom Verleger selbst, das Mikrofon locker in der Hand. Das Bild bleibt haften: Im Saal Verlagsmanager von Unternehmen, die durchweg 100, 150 Jahre alt sind, sozusagen verlegerische Ivy League, auf der Bühne ein mittelalter, unprätentiöser Herr, Stirnglatze, Brille, der in sprödem Englisch eine Erfolgsgeschichte erzählt. In dem Understatement dieses Auftritts ist etwas vom Geheimnis des Aufstiegs der Stuttgarter Gruppe – und viel von Dieter von Holtzbrinck.

In der Holtzbrinck-Story steckt ein Kapitel Verlagsgeschichte, man könnte auch sagen: ein Stück Nachkriegsgeschichte, und eine Biographie. Essenz: Wie in einem Vierteljahrhundert aus einer Buchgemeinschaft ein deutscher Medienkonzern und ein weltweit operierendes Unternehmen werden.

Es ist die gleiche Zeitspanne, in der Dieter von Holtzbrinck nach Studium und USA-Aufenthalt das väterliche Unternehmen übernimmt und führt. Engagements beim „Handelsblatt“ und der „Saarbrücker Zeitung“ sind die Stationen des Aufbaus eines Zeitungskonzerns zwischen Konstanz und Hamburg. Renommierte Buchverlage wie Fischer, Rowohlt und Kiepenheuer & Witsch laufen in den Hafen des Unternehmens ein. Und seit Mitte der achtziger Jahre dehnt sich die Tätigkeit auf den amerikanischen und englischen Markt aus. Mit alledem wird Dieter von Holtzbrinck zu einem Repräsentanten der zweiten Gründergeneration in der Nachkriegszeit.

Seit 1992 gehört der Tagesspiegel dazu. Damals wagte Dieter von Holtzbrinck den Sprung in das „Haifisch-Becken“ – seine Formulierung – des Berliner Nachwende-Zeitungsmarktes. Und wenn man eine Pause vom Manager-Dasein einrechnet, die er zwischen 2006 und 2009 einlegte, sind es bald zwei Jahrzehnte, in denen er der Garant und ein bisschen auch der Schutzherr dieser Zeitung ist. Unter seiner Ägide hat sie sich behauptet. In dieser Zeit hat die Zeitung gespürt, was die Tugenden sind, die Dieter von Holtzbrinck zu dem gemacht haben, was er ist: ein großes Maß an Verlässlichkeit und eine bemerkenswerte Bescheidenheit, ein kühler Kopf und eine diskrete Mischung von Gelassenheit und Witz, sachliche Entschiedenheit und ein wohl im Grunde seines Wesens heiter-ausgeglichenes Gemüt. Ein Mann, der in sich ruht und deshalb auch Ruhe verbreiten kann. An diesem Donnerstag wird Dieter von Holtzbrinck siebzig Jahre alt.Rdh.

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