Medien : „Grill Royal“ im Plattenbau oder die High Society der Hauptstadt

Die Reichen, Mächtigen und Schönen - der RBB wandelt auf dem Boulevard. Doch die Autoren geben Entwarnung: mit Schmudddelgeschichten muss niemand rechnen.

Eckart Lottmann

Berlin45 Minuten über die „High Society der Hauptstadt“, und das zur besten Sendezeit – versucht sich der RBB im Boulevard-TV? Geht es um die Reichen, die Mächtigen und die Schönen, abgeschottete Eliten, millionenschwere Deals am Kalten Büfett? Keine Sorge. Der RBB bringt keine Promistories mit Gerüchten und vertraulichen Informationen, und die „High Society“ – die gibt es gar nicht. Sagen die Autoren Annette Zinkant und Sven Kuntze. Letzterer müsste es als langjähriger Hauptstadt-Reporter mit besten Drähten nach oben wissen. Allenfalls eine „Patchwork-High-Society“ gebe es, verschiedene, sich teilweise überlagernde Ebenen. Zinkant und Kuntze zeigen uns Aufnahmen von Treffen, Get-Together, Events. Auf der AIDS-Gala wird die Immunschwäche AIDS bekämpft, andere Vereinigungen sammeln Geld, um junge Künstler zu fördern, den Denkmalschutz zu unterstützen oder einen Kindergarten aufzubauen. Der Unternehmer Lars Zimmermann will mittels eines „Think Tank“ Geld sammeln, um „neue politische Ideen“ zu unterstützen. Unklar bleibt, was „neue politische Ideen“ sind. Weiter geht der bunte Bilderreigen, durchaus honorige Menschen sind da zu sehen. Eine „fünfstellige Aufnahmegebühr“ koste die Mitgliedschaft im „Capital Club“, erfahren wir, doch der Club sei offen für alle. Interessant, diese Summe. Die Autoren erzählen weiter, vom Charme der Hauptstadt, und dass hier alles interessant und attraktiv sei.

Ein Mann, der als „Star-Coiffeur“ bezeichnet wird, ist begeistert: „Sagst du in New York, dass du aus Berlin kommst, machen die einen Kniefall!“ Berlin ist also wieder wer, die Geschäftsleute, die Künstler, die Kreativen aus der ganzen Welt kommen hierher. Der Gastronom von „Grill Royal“ hat genau den Charme der DDR-Architektur gesucht: „Ein bisschen beknackt ist besser als 1A.“ Der Film von Zikant und Kuntze bietet eine Menge solch schöner Einsichten. Manchmal versteht man genau das Gegenteil von dem, was einer mit großem Nachdruck sagt. Zum Beispiel bei Bundesfinanzminister Peer Steinbrück auf einer Partie: „Hier werden keine Deals gemacht.“ Wenn das so ist – dann freuen wir uns über unser schönes, neues, attraktives Berlin. Eckart Lottmann

„Berlin – Ein Metropolenmärchen“, RBB, 20 Uhr 15

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