Medien : Grillen mit George W.

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Frau Bröker, worüber haben Sie sich in der vergangenen Woche in den Medien besonders geärgert?

Über George W. Bush, den amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika! Der vermeintlich mächtigste Mann der Welt wird von unserer Bundeskanzlerin zum Grillen in die ostdeutsche Provinz eingeladen – und wir Medienleute erklären einen Ort namens Trinwillershagen zum Mittelpunkt der Welt in dieser Woche. Zugegeben: Die Grenze der Berichterstattung zu ziehen, ist schwierig, und die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind wichtig. Aber: Die Taktik des US-Präsidenten ist zu leicht zu durchschauen. Das Irak-Desaster fliegt ihm innen- und außenpolitisch um die Ohren. Immer mehr Staaten verabschieden sich aus der „Koalition der Willigen“. Da braucht’s Partner, die ihm aus der Patsche helfen. Was er da Angela Merkel beim gegrillten Wildschwein wohl abgerungen hat? Ein fragwürdiger Medien-Hype, dem Zuschauer – und Journalisten – nur schwer entkommen konnten.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Über Daniel Cohn-Bendit! „Dany le rouge“, der Vorzeigeeuropäer und große Enthusiast, hat bei uns im „ARD-Nachtmagazin“ am vergangenen Montag in herrlich herzerfrischender Weise die Fußball-Weltmeisterschaft Revue passieren lassen. Den Umgang der Deutschen mit ihren nationalen Symbolen verglich er mit Indianerspielen: „Mein Stamm, dein Stamm, meine Bemalung, deine Bemalung – und am Ende feiern wir das große Indianerfest.“ Joschka Fischers langjähriger Weggefährte prägte in dem Interview den Begriff des „sanften Patriotismus“, der für ihn als Linken und als eingefleischten Europäer absolut nicht bedrohlich sei. Einfach sympathisch!

Anja Bröker

moderiert die Nachrichtensendung „Nachtmagazin“ in der ARD.

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