Grimme-Preis : Online first

Die Gewinner des Grimme Online Awards 2007 sind zu früh bekannt gegeben worden. Bereits am Montag konnte man die Namen auf der Internetseite des Grimme-Instituts sehen, dabei sollten sie erst am Mittwoch bekannt gegeben werden.

Kurt Sagatz/Pablo Silalahi

„Es ist eine peinliche Panne, für die wir uns bei allen entschuldigen wollen, die dadurch irgendwelche Nachteile erlitten haben“, erklärte Katrin Bernsmann vom Grimme Institut in Marl am Dienstag, nach dem am späten Montagabend bereits die Gewinner des Grimme Online Awards 2007 auf der Webseite des Instituts nachzulesen waren. Dabei hätten diese erst am heutigen Mittwoch bei der Preisverleihung in der Kölner Vulkanhalle bekannt gegeben werden sollen. Wenn durch diesen Lapsus überhaupt ein Schaden entstand, dann höchstens für das Grimme Institut, das den undotierten Online-Award zum siebten Mal ausgelobt hatte. „Bei der Vorbereitung der Webseite für die Bekanntgabe der Preise hat es eine technische Panne in unserem Redaktionssystem gegeben. Wie genau es dazu kam, muss noch festgestellt werden“, versuchte sich Bernsmann an einer Erklärung und ergänzte: „Bei uns ist gerade Holland in Not“. Einer der Preisträger, der Medienjournalist der FAZ, Stefan Niggemeier, war not amused: „Kann bitte jemand den Grimme-Online-Award aus den Händen dieser Organisatoren befreien?“ wetterte er in seinem Blog. „Ich habe also diesen Grimme-Online-Award 2007 gewonnen. Will ich ihn haben?“

Der Grimme Online Award stand in diesem Jahr offensichtlich unter keinem guten Stern. Bereits die Nachnominierung des „Elektrischen Reporters“ von Mario Sixtus – der nun in der Kategorie „Wissen und Bildung“ einen Award holte, sorgte für Kritik, da Sixtus auch Mitglied der Jury ist. Beim Medium Internet sei es nicht auszuschließen, dass ein Juror auch gleichzeitig Akteur sei, sah sich Grimme-Chef Uwe Kammann zu einer Erwiderung genötigt, stellte aber auch fest, dass es eine „Interessensverquickung, Doppelfunktion oder Günstlingswirtschaft“ nie gegeben hat.

Zu den weiteren Gewinnern des Preises gehören unter anderem der Tagesschau-Blog, in dem die Chefs der ARD-Nachrichtensendung Einblicke in den Redaktionsalltag geben, die Website Fudder, ein von Studenten gegründetes Portal über Freiburg, die Literaturseite „nach 100 Jahren“ und polylog.tv, der Online-Auftritt der ARD-Sendung „Polylux“. Ingesamt musste die Jury zwischen 23 Websites auswählen.

Verärgert waren einige Internet-Nutzer besonders über die vorzeitige Veröffentlichung des Publikumspreises, der an hausgemacht.tv geht. Doch in diesem Fall konnte Katrin Bernsmann beruhigen: „Die Abstimmung endete um 18 Uhr, zur Panne kam es erst danach“. Demnach wurde die Stimme jedes Internet-Nutzers gezählt, auch von denen, die sich jetzt über den Grimme Online Award aufregen.

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