Medien : Groß, größer, RTL

Heute startet der Sender eine Superlativ-Show. Weitere folgen

Thomas Gehringer

Bitte drehen Sie den Lautstärkeregler herunter, es folgt eine Ansage von Deutschlands führendem Privatsender: „Spaß, Unterhaltung und Bilder, die Sie nie vergessen! RTL-Moderator Oliver Geißen präsentiert den Zuschauern die packendsten Szenen, die emotionalsten Geschichten und die mitreißendsten Augenblicke der letzten Jahrzehnte.“ Die neue RTL-Show heißt folgerichtig „Die 10 bewegendsten Ereignisse“. Zu sehen ist sie heute, um 20 Uhr 15.

Man muss das verstehen: Beim „Superstar“-Sender neigt man derzeit dazu, besonders großzügig mit Superlativen um sich zu werfen. Das liegt am durchschlagenden Erfolg des Marketing-Hits von Bohlen und Bertelsmann (Finale am Sonnabend, 21 Uhr 15, falls Finalist Alexander denn wieder gesundet ist – irgendwie muss es ja spannend bleiben). Natürlich sind Dieter Bohlen und die beiden „Superstar“-Finalisten Alexander und Juliette in Geißens neue Show eingeladen, und man fragt sich langsam, ob da nicht eine Reihe von Doppelgängern durch die Studios tingelt. Wenigstens wird „Deutschland sucht den Superstar“ von RTL nicht auch noch zu den „10 bewegendsten Ereignissen“ gezählt.

Nein, die Hitparade der Zeitgeschichte, die RTL uns da präsentiert, beginnt im Jahr 1954, als Deutschland erstmals Fußball-Weltmeister wurde. Vorher kennt RTL kein bewegendstes Ereignis; denn da gab’s ja noch keine Fernsehbilder. Der erste Mensch auf dem Mond, der Mauerfall, die Terroranschläge vom 11. September 2001, das Leben und natürlich der tragische Tod von Lady Di, Boris Beckers Siege in Wimbledon und Bob Geldofs Benefizkonzert „Live Aid“ sind neben dem „Wunder von Bern“ weitere Themen. Die restlichen drei will der Sender noch nicht verraten. Ob Triumphe oder Tragödien – alles wird vor Publikum mit Einspielfilmen und prominenten Gästen durch die große Unterhaltungsmühle gedreht. „Timetainment“ nennt das der Sender, der durch den Erfolg mit der „80er Show“ auf den Geschmack gekommen ist.

Boris Becker kommt, Bob Geldof, Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (zum Thema Mauerfall), Ex-Torwart Sepp Maier (der zwar 1954 nicht spielte, aber egal) und eine Freundin von Lady Di. Immer wieder gern gesehen: Weltbürger Peter Ustinov, der sicher zu allen zehn Kapiteln eine Anekdote beisteuern kann. Wer aber kommt zum Thema 11. September? Model Heidi Klum, die war nämlich an diesem Tag nicht in Bergisch-Gladbach, sondern in New York. Und weil RTL nicht sonderlich von Erfolgszweifeln geplagt ist, sind weitere Folgen geplant, etwa „Die 10 aufregendsten Frauen“ (wahrscheinlich mit Heidi Klum) und „Die 10 spektakulärsten Coups“ (mit Heidi Klum?). Nur auf „Die 10 überflüssigsten Fernsehshows“ werden wir wohl vergeblich warten.

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