Großbritannien : Guardian bestimmt Katherine Viner zur neuen Chefredakteurin

Nachdem der "Economist" bereits eine Frau auf dem Chefredakteursposten platziert hat, geht der "Guardian" als zweite Publikation in Großbritannien diesen Schritt. Katherine Viner wurde zur Nachfolgerin des scheidenden Chefs Alan Rusbridger ernannt.

Es ist ein Novum in der 194-jährigen Geschichte des Guardians: Mit Katharine Viner soll erstmals eine Frau an der Spitze der britischen Zeitung stehen. Im Sommer wird sie die Rolle vom bisherigen Amtsinhaber Alan Rusbridger übernehmen, der den Chefredakteursposten seit 20 Jahren inne hat. Das teilte das Blatt am späten Freitagnachmittag auf seiner Homepage mit.

Zuvor hatten sich bereits die Redaktionen der Zeitungsgruppe „The Guardian“ für Viner ausgesprochen. Diese Abstimmung war allerdings nicht bindend. Angetreten war Viner gegen 22 andere Bewerber, darunter etwa der Deutsche Wolfgang Blau.  Viner, die 43 Jahre alte bisherige Stellvertreterin von Amtsinhaber Alan Rusbridger und Chefin von „Guardian US“, war aus einer hausinternen Abstimmung als klare Siegerin unter vier Kandidaten hervorgegangen. Sie bekam 438 Stimmen und holte damit 53 Prozent im Rennen um die Nachfolge von Rusbridger. 

Mitspracherecht bei der Besetzung von Top-Posten

Wolfgang Blau, 47, früherer Chef von „Zeit Online“ und derzeit beim „Guardian“ für die Digitalstrategien verantwortlich, landete abgeschlagen mit 29 Stimmen auf dem vierten Rang. Rusbridger wechselt im Herbst an die Spitze der Muttergesellschaft Scott Trust.
Der „Guardian“, der kürzlich den Pulitzer-Preis für die Veröffentlichung der Enthüllungen des US-„Whistleblowers“ Edward Snowden bekommen hatte, gehört zu den wenigen Verlagen, die der Redaktion ein Mitspracherecht bei der Besetzung von Top-Posten geben.

Zweite britische Top-Publikation mit Frau an der Spitze

1995 hatte Rusbridger das Amt bekommen, nachdem er als klarer Sieger aus dem Belegschafts-Votum hervorgegangen war.  Viner bekam nun als Siegerin des Votums einen Platz auf der Liste mit drei Namen bekommen, die zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurden.
Der „Guardian„ ist mit dem Erfolg Viners nach dem Wirtschaftsmagazin „The Economist“ die zweite große Publikation in Großbritannien, die eine Frau auf den Chefredakteursposten platziert. Zanny Minton Beddoes ist dort seit Anfang Februar am Ruder. (tsp mit dpa)

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