Medien : Grübelmonster

„Die Rückkehr des Vaters“: ein Krimimelodram im ZDF

Simone Schellhammer

Die Dramaturgie des italienischen Originals sei superseicht gewesen und die filmische Umsetzung des Plots eher flau, fand Jörg Grünler, Regisseur und Co-Autor dieses TV-Familiendramas, und drehte deshalb ein neues, ein deutsches Remake. In Italien holte der Zweiteiler mit dem beliebten Komiker Nino Manfredi in der Hauptrolle immerhin neun Millionen Zuschauer vor den Bildschirm. Ob die tiefer gründelnde ZDF-Version, „Die Rückkehr des Vaters", so erfolgreich sein wird? Sehr zäh zieht sich die Handlung über gleich zwei Teile dahin.

Ein Lichtblick zwischen all den attraktiven Architekten, bildschönen Cellistinnen und geschmackvollen Intérieurs ist jedoch Hauptdarsteller Vadim Glowna mit seinem Grübelgesicht. Er spielt den Ingenieur Heinrich Giese, der nach 27 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird. Er soll damals seine Frau umgebracht haben, allerdings kann er sich bis heute an nichts erinnern. Seine Kinder Jacob und Laura wuchsen bei Adoptiveltern auf. Aus dem Gefängnis hat Heinrich sich aus Scham nie bei ihnen gemeldet. Wieder in Freiheit, lernt er den jungen Anwalt Paul Trautner (Wotan Wilke Möring, dem die Rechtschaffenheit aus jedem Knopfloch schaut) kennen. Dem tut der verwirrte Mann Leid, und er nimmt ihn bei sich auf. Mehr noch: Paul lässt sich erweichen, nach Heinrichs erwachsenen Kindern zu suchen. Mit Erfolg: Jacob (zickig: Uwe Bohm) wohnt mit seiner Frau Beatrice (sehr elegisch: Deborah Kaufmann) und seinem entzückenden kleinen Sohn in einer prächtigen Hamburger Altbauvilla. Dort ist auch gerade seine Schwester Laura (Sophie von Kessel) mitsamt ihrem Cello zu Besuch. Um seiner Familie nahe zu sein, nimmt Heinrich in ihrem Haus einen Job als Gärtner an und ist alsbald der gute Geist des Hauses.

Unterdessen rollt Paul Heinrichs Fall wieder auf und entdeckt Ungereimtheiten. Doch auch die Krimihandlung kann den Film nicht herausreißen, da relativ schnell deutlich wird, wer der Mörder war. Der Mix aus italienischer Melodramatik und deutscher Sinnsuche wird zu einem ziemlich anstrengenden Rührstück.

„Die Rückkehr des Vaters": heute und am 14. Januar um 20 Uhr 15 im ZDF

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