Grzimek-Porträt : Unser aller Tierfreund

In der ARD-Sendung "Legenden" konzentrieren sich die Autoren nur auf den späten Bernhard Grzimek, den die Zuschauer bereits aus "Ein Platz für Tiere" kennen. Doch der Film vermeidet Dissonanzen - charakterliche Brüche kommen zu kurz.

Tilmann P. Gangloff
Grzimek
TV-Ikone Bernhard Grzimek -Foto: ARD

Wenn es bei der Nennung eines Namens „unverzüglich ‚klick’“ mache und man sofort ein Bild vor Augen habe: Dann, sagt ARD-Chefredakteur Thomas Baumann, habe man es mit einer Legende zu tun. Schade nur, dass die ARD-Porträtreihe „Legenden“ offenbar einzig und allein dem Zweck dient, diesem Bild, das die Zuschauer ohnehin vor Augen haben, bis ins Detail zu entsprechen. Ganz gleich, wie widersprüchlich die Porträtierten gewesen sein mögen: Charakterliche und biografische Brüche kommen nur dann zur Sprache, wenn sie in die Legende passen. Deshalb wird die Rolle von Bernhard Grzimek (1909 bis 1987) in der NS-Zeit nur kurz abgehandelt. Einzig die Andeutung einer früheren Nachbarin, die ansonsten lieber über seine Wölfe plaudert, lässt vermuten, der Zoologe sei womöglich mehr als bloß ein Mitläufer gewesen. Außerdem führen die Wölfe geradewegs zu einem Interviewschnipsel mit Leni Riefenstahl, denn die hatte Grzimeks Tiere für ihren Film „Tiefland“ engagiert.

Die Autoren der Reihe, sagt Baumann, „tauchen tief in ihre Figuren ein, fördern Dinge zutage, die nicht oder nur bedingt bekannt sind“. Das aber trifft nur dann zu, wenn man bislang nicht wusste, dass beispielsweise Harald Juhnke zum Trinken neigte. Über Grzimek haben Erika Kimmel und Bernd Isecke gleichfalls nicht eben bahnbrechend Neues zu berichten. Vermutlich ist dieser Verzicht dem Reihencharakter geschuldet, schließlich sollen die Beiträge wie aus einem Guss wirken. Deshalb bietet auch dieses Porträt die übliche Mischung aus Interviews, Ausschnitten und heutigen Bildern von damaligen Originalschauplätzen. Sieht man mal von den sehr persönlichen Erinnerungen seines Enkels Christian ab, ist die Annäherung an Grzimek rein äußerlicher Art; was er wirklich für ein Mensch war, erfährt man in diesem Film nicht.

Doch das ist ja auch nicht Sinn der Sache, weshalb sich Kimmel und Isecke in erster Linie auf den späten Grzimek konzentrieren, den das ARD-Publikum so gut kennt, weil er dank seiner Sendung „Ein Platz für Tiere“ (1956 bis 1987) einer der populärsten Fernsehköpfe der 60er und 70er Jahre war. Außerdem ist ihm mit dem Tierfilm „Serengeti darf nicht sterben“ (1959) das Kunststück gelungen, als erster deutscher Regisseur einen „Oscar“ für den besten nicht-englischsprachigen Film in Empfang nehmen zu können. Dass ihn der Tod seines Sohnes Michael bei den „Serengeti“-Dreharbeiten, der ihm wohl auch Freund und Ansporn war, nicht aus der Bahn geworfen, sondern in seinem Tun sogar noch bestärkt hat, macht sich das Porträt naturgemäß gleichfalls zunutze, um die Biografie endgültig zur Legende zu verdichten. Dankenswerterweise ersparen es sich die Autoren, das innige Verhältnis des Tierschützers zur verwitweten Schwiegertochter (die er schließlich heiratete) zu vertiefen. Der Film wirkt, als wolle er vor allem Dissonanzen vermeiden: Damit das Publikum nicht seinerseits „klick“ macht, weil sich das vermittelte Bild nicht mit dem eigenen deckt.Tilmann P. Gangloff

„Legenden“, ARD, 21 Uhr

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