Günther Jauch : Ackermann trifft Alt-Sponti

Euer Euro, unser Euro: Josef Ackermann und Daniel Cohn-Bendit debattierten bei Günther Jauch über Kapital und Politik - und liefern einigen Stoff zum Weiterdenken.

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Der ehemalige Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann diskutierte bei Günther Jauch mit Daniel Cohn-Bendit.
Der ehemalige Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann diskutierte bei Günther Jauch mit Daniel Cohn-Bendit.Foto: dapd

Der eine spricht mit Schweizerischer Tönung, der andere leicht Hessisch und Französisch angehaucht. Der eine, Josef Ackermann, 64 Jahre alt, kommt aus St. Gallen, der andere, Daniel Cohn-Bendit, wurde 1945 im Süden Frankreichs geboren.

Am Sonntagabend präsentierte Günter Jauchs Talkshow zwei Diskutanten, die so gar nicht zum typischen Personal der Berliner Talk-Republik gehören. Ackermann war von 2002 bis 2012 Vorstandschef der Deutschen Bank, die Tage seiner Macht sind vorüber, Cohn-Bendit ist seit 1994 Europapolitiker der Grünen in Brüssel, eine hohe Machtposition hatte er nie inne. Auch darum, so schien es, blicken beide fast gelassen, häufig nachdenklich und wie vom Rand her auf das Geschehen.  Moderator Jauch jedenfalls hatte Mühe das Duo, angekündigt als „der Banker und der Revoluzzer“ zu antagonisieren.

Um den Euro und Europa ging es, um Kapital und soziale Verantwortung. Ob er in Ackermann das teuflische Gesicht des Kapitalismus erblicke, fragte Jauch den Alt-Sponti sinngemäß. Müßig - wem sollte das gelingen? Er sehe „das warme, freundliche, teuflische Gesicht des Kapitals“, rettete sich Cohn-Bendit: „Ackermann sieht sympathisch aus, Banken sind unsympathisch.“ Lächelnd ließ der Ex-Banker all das zu, und in der Sache waren sich beide dann vielfach einig. Ja, die Banken trugen an der Finanzkrise, tragen an der Eurokrise eine Mitschuld. Man müsse den Wachstums- und Geschwindigkeitswahn der Finanzwelt in den Griff kriegen, ja, und es müsse für sie mehr Regulierung geben, wie sie Peer Steinbrück fordert und die Umfragen, die ihm zustimmen. Jedoch, so Ackermann, Bedingung sei eine globale Korrektur des Ordnungsrahmens durch die Politik. Preschten einzelne vor, verlören sie im Wettbewerb. Auch die enormen Gehälter, etwa von Investmentbankern, begründete Ackermann mit dem Wettbewerbsargument: Gäbe es mehr herausragende Talente, würde da weniger verdient.

Zwar gestand Cohn-Bendit halb kokett zu, er habe „von Banken keine Ahnung“, fragte aber, von Applaus belohnt, warum eigentlich die herausragenden Talente die Finanzkrise nicht hatten voraussehen können? Immerhin, konterte der Bankwirtschaftler und Sozialwissenschaftler, steuerte die Deutsche Bank ihr Schiff ohne staatlichen Sprit durch die Krise, sie wirtschafte sauberer, ethischer, transparenter als viele Konkurrenten. Überhaupt seien Banken insgesamt heute kapitalstärker als vor 2008.  

Trotzdem: Es drängen die Probleme der überschuldeten EU-Staaten, und erdrosselndes Sparen kann keine Lösung sein im Euro-Raum. Cohn-Bendit, in Hemd mit offenem Kragen, brauste auf, als es um die Armen in Griechenland und Spanien ging. Was der Bevölkerung dort zugemutet werde, rief er, würde in Deutschland keiner aushalten, und dass Spanier, im reichen Europa, heute sogar hungern müssen, sei untragbar. Es brauche einen Europäischen Sozialfonds, um einen drohenden, neuen Faschismus in Griechenland auszubremsen.  Ackermann, mit Krawatte, ist d´accord mit dem Autor des eben erschienenen Europäischen Manifests. „Wir brauchen ein geeintes Europa!“, und: "Eine Zerstörung der Eurozone“ wäre teurer als alles anders. Nötig sei gleichwohl vor allem „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Cohn-Bendit prangerte die Schweiz als Helfer griechischer Steuerflüchtlinge an, und Ackermann, der „mit 18 ein Grüner gewesen wäre“, ging darauf nicht ein. Jedoch erklärte er, auch die Schweiz brauche den Schutz, den das um sie her liegende Europa ihr bietet.  Ob, wie und warum Merkels Deutschland in Europa eine führende Rolle spielen solle, da schienen die beiden sich uneins. Für Cohn-Bendit trumpft Merkel zu sehr national auf, für Ackermann ist Deutschland in Europa eher „zu zögerlich“.

Jauch und seine Zuschauer haben, wenn auch kein Feuerwerk, doch noch etwas Konflikt mitbekommen sowie einigen Stoff zum Weiterdenken, Diskutieren. Zwei im moderierten Dialog, das zeigte sich auch hier deutlich, sind oft ergiebiger, als vier oder fünf  rivalisierende Ego-Shooter, wie wir sie sonst geliefert bekommen.

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