Günther Jauch und die ARD : Zu viel reingeredet bei Themen und Besetzung

Günther Jauch über die „fürsorgliche Belagerung“ der ARD und ein Ende von „Wer wird Millionär?“

Sicher schade. „Günther Jauch“ lief im November 2015 im Ersten aus.
Sicher schade. „Günther Jauch“ lief im November 2015 im Ersten aus.Foto: dpa

Lange nichts mehr von Günther Jauch gehört, denkt man sich in diesen Tagen, und schon kommt der Moderator mit brisanten Meinungen zur guten, alten ARD um die Ecke. Er stehe nach wie vor zu seiner Entscheidung, den ARD-Polittalk Ende 2015 nach gut vier Jahren beendet zu haben. „Mein Ziel war immer, möglichst viele, vor allem junge Menschen für Politik zu interessieren“, sagte der TV-Moderator in einem Interview mit der „Hörzu“. „Das ist unserem Team gelungen. Der Quotenrekord über die gesamte Zeit von ,Günther Jauch‘ ist weder vorher noch nachher übertroffen worden.“ Aber es hätten einfach zu viele bei Themenwahl und personeller Besetzung der Sendung mitreden wollen.

Diese Form der „fürsorglichen Belagerung“ habe irgendwann nicht mehr seinem Verständnis von journalistischer Unabhängigkeit entsprochen. „Also habe ich die angebotene Vertragsverlängerung dankend abgelehnt“, sagte Jauch weiter. „Rückblickend ist das sicher schade, aber für mich trotzdem noch immer die konsequente, absolut richtige Entscheidung.“ Anlass des Interviews ist eine Forsa-Umfrage aus der vergangenen Woche über die „50 größten lebenden Vorbilder der Deutschen“, die Günther Jauch als Sieger auswies.

Ein lebendes Vorbild darf dann in Sachen öffentlich-rechtliches Fernsehen auch mal einen raushauen. Im Gespräch verrät der 61-Jährige weiter, wer für ihn selbst Vorbild ist und war: „Als Kind wollte ich Fußball spielen können wie Franz Beckenbauer oder den Mond erobern wie Neil Armstrong. Historisch waren für mich immer alle, die unter den Nazis politischen Widerstand geleistet haben, Vorbilder, zu denen ich aufgeschaut habe.“

Laut Forsa ist Jauch besonders beliebt bei Frauen sowie jungen Deutschen. Sein Kommentar: „Ich bin eine Fernsehfigur, also eine Projektionsfläche. Was Menschen in mich hineininterpretieren, ehrt mich, hat aber nicht zwangsläufig viel mit der Realität zu tun.“ Auf die Frage, wann Jauch denn nun in Fernseh-Rente gehe, erklärt er, dass sein Handschlagvertrag mit RTL für „Wer wird Millionär?“ bis Sommer 2018 gelte.

Ob und wie es weitergehe, müsse man dann sehen, so Jauch. „Mir macht Fernsehen noch immer Freude, aber ich habe mit dem ,Aktuellen Sportstudio‘, ,Stern TV‘, der Champions League, dem Skispringen oder ,Günther Jauch‘ am Sonntagabend stets dann aufgehört, wenn es am schönsten war.“

Dass Jauch nach diesem Interview noch einmal bei der ARD mit ihrer „fürsorglichen Belagerung“ einsteigt, ist eher unwahrscheinlich. meh

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