Gütliche Einigung : Leipziger Lösung

Streit um Kündigung beendet: Udo Foht geht, der MDR stellt „wohlwollendes Zeugnis“ aus. Das könnte ein Modell für einen anderen öffentlich-rechtlichen Sender in Berlin sein.

Der Ex-Unterhaltungschef des MDR, Udo Foht, war persönlich vor dem Arbeitsgericht Leipzig erschienen.
Der Ex-Unterhaltungschef des MDR, Udo Foht, war persönlich vor dem Arbeitsgericht Leipzig erschienen.Foto: dpa

Könnte das ein Vorbild sein für den Trennungsstreit zwischen dem Rundfunk Berlin-Brandenburg und seinem „abgetrennten“ Radio-Moderator Ken Jebsen? In Leipzig haben sich der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) und sein früherer Unterhaltungschef Udo Foht vor dem Arbeitsgericht über die Modalitäten der Kündigung geeinigt, die der Sender wegen dubioser Geldzahlungen gegen Foht ausgesprochen hatte. Der Manager hatte dagegen geklagt.

Jetzt gehen MDR und Udo Foht endgültig getrennte Wege. Die öffentlich-rechtliche Anstalt und der 61-Jährige einigten sich am Freitag auf einen Vergleich und beendeten das Arbeitsverhältnis rückwirkend zum 31. Dezember 2011. Der MDR verpflichtete sich, Foht ein „wohlwollendes und qualifiziertes“ Arbeitszeugnis auszustellen. Damit wird eine außerordentliche Kündigung des MDR vom September 2011 unwirksam. Schadensersatzforderungen behält sich der Sender vor.

Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Foht und elf weitere Beschuldigte aus der Medien- und Musikbranche wegen Bestechlichkeit und Bestechung, Untreue und Betrugs gehen weiter. Die Staatsanwaltschaft Leipzig versucht, die Aktivitäten des Fernsehmanagers zu erhellen. Der Unterhaltungschef soll eigenmächtig Geld zur Finanzierung von TV-Produktionen organisiert haben. Vor Gericht gestand Foht zu, sich über Jahre „unkonventionell“ verhalten zu haben. Nur so habe er aber das „erfolgreiche“ MDR-Unterhaltungsprogramm gestalten können. „Es gäbe heute keinen Florian Silbereisen, wenn ich mich korrekt an irgendwelche Dienstanweisungen gehalten hätte.“

Nach Fohts Darstellung waren die Abläufe bei dem öffentlich-rechtlichen Sender zu schwerfällig, um langfristig aufwendige Produktionen anschieben zu können. Die Firmen hätten Vorauszahlungen benötigt, die so vom MDR nicht zu erhalten waren. Deswegen habe er dritte Firmen veranlasst, mit fünfstelligen Summen einzuspringen. Die Rückzahlungen sicherte er auf MDR-Briefbögen zu, für den Sender war das der Kündigungsgrund.

Foht, beim MDR seit dessen Gründung 1992 und zuvor seit 1975 beim DDR-Fernsehen beschäftigt, sagte, er habe die Rückendeckung der MDR-Spitze gehabt. „In diesem Sender hat man mir, vom Intendanten angefangen, die Möglichkeiten eingeräumt, immer im Sinne und zum Nutzen für diesen Sender handeln zu können.“

Das Finanzgebaren des Unterhaltungschefs war Mitte 2011 publik geworden, weil sich eine Produktionsfirma wegen eines nicht zurückgezahlten Kredits an die MDR-Intendanz gewandt hatten. Ermittlungen der damaligen juristischen Direktorin des Senders und heutigen Intendantin Karola Wille führten zur Suspendierung Fohts. Zudem wurde bekannt, dass die Senderspitze um den mittlerweile in Ruhestand Intendanten Udo Reiter von dieser Praxis wusste.

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