Medien : Gut aufgelegt

Die Auswahl legaler Internet-Musik wird immer größer. Bloß einheitliche Standards sucht man vergebens

Ole Meiners,Kurt Sagatz

Wer früher Stunden damit zugebracht hat, im Plattenladen zu stöbern und eine Scheibe nach der anderen probezuhören, kann das jetzt unabhängig vom Ladenschluss und bequem von zu Hause aus. Ein Dutzend Musik-Shops bietet deutschen Kunden hunderttausende Songs zum Herunterladen aus dem Internet an – und zwar ganz legal. Auch der Laie kann mit wenig Aufwand Musik im Internet einkaufen, seine CD-Sammlung oder seine alten Schallplatten digitalisieren und auf einem MP3-Abspielgerät überallhin mitnehmen.

Der erste Schritt ist die Wahl der richtigen Software: Das Programm soll die in den Rechner eingelegte CD nicht einfach nur auf die Festplatte kopieren, sondern auch in ein platzsparendes Format umwandeln. Fachleute nennen das „Rippen“. Durch die Umwandlung zum Beispiel in das beliebte MP3-Format wird die Datenmenge auf ein Zehntel reduziert. Inzwischen ebenfalls sehr weit verbreitet ist das Microsoft-Format WMA, das die Musikstücke sogar noch etwas stärker verdichtet.

Ein guter Kandidat für das Umwandeln von CDs, aber auch zum Digitalisieren von alten Schallplatten ist das Programm Musicmatch, das kostenlos über die Internet-Seite www.musicmatch.com angeboten wird. Mit diesem sehr übersichtlich gestalteten Programm lassen sich auch größere Musiksammlungen einfach verwalten. Zudem hilft Musicmatch dem Anwender dabei, die als MP3-Songs gespeicherten Stücke als eigene Audio-CDs zu brennen oder die eigene Wunschliste zu einem externen MP3-Player zu übertragen.

Wird bei Musicmatch eine neue CD in das Laufwerk geschoben, schaut das Programm in einer großen Titeldatenbank im Internet nach, ob dort bereits die Informationen über die CD oder die einzelnen Stücke gespeichert sind, und übernimmt die Einträge dann in die eigene Datenbank. Auch das erleichtert den Umgang mit dem eigenen Musikarchiv erheblich, funktioniert nach dem neuen Urheberrecht allerdings nur bei nicht kopiergeschützten CDs. Wer übrigens Probleme hat, die im Computer gespeicherten Musikstücke per Media Player oder Musicmatch an den eigenen MP3-Player zu übertragen, sollte den Weg über den Windows-Explorer gehen und die Musikdateien mit der Maus in das Festplattensymbol des Players ziehen. Das ist zwar nicht so elegant, funktioniert aber oftmals besser als die verschiedenen PC- Programme, die mitunter Schwierigkeiten haben, die Player anzusprechen.

Anfangs nur für Apple-Nutzer, inzwischen aber auch für Windows-Anwender verfügbar, findet das Programm iTunes von Apple (www.apple.com/de/itunes) wegen seiner einfachen Bedienbarkeit immer mehr Freunde. Der große Vorteil dieses Programms liegt im sehr guten Zusammenspiel zwischen dem Internet- Musikshop von Apple und dem PC sowie mit dem Apple-MP3-Player iPod.

Doch Apple steht mit iTunes längst nicht mehr alleine da (siehe Tabelle): Neben Phonoline, OD2, Musicload von T-Online und dem Media Markt startete gerade erst der Sony-Shop Connect. Bei dieser Vielfalt steckt der Teufel im Detail – vor dem Online-Kauf digitaler Musik muss sich der Benutzer in die Materie der Musikdateiformate einarbeiten. Mit dem „alten“ MP3-Format war alles noch einfach: Kein in die Datei eingebetteter Schutz hemmte das Kopieren in den vielen Tauschbörsen, das Brennen als Audio-CD und das Überspielen in einen Player. Mit den Nachfolgeformaten AAC, WMA und ATRAC3 ist nun häufig ein Kopierschutz verbunden. Der Käufer erwirbt dabei eine Lizenz, und das eingebettete „digitale Rechtemanagement“ (DRM) überwacht, dass tatsächlich nur im erlaubten Rahmen CDs gebrannt oder externe Player versorgt werden. Dabei kommt es häufig zu Inkompatibilitäten: Bei Popfile gekaufte Musik läuft nicht im iPod, der bei Apple gekaufte Song bleibt auf dem Player von Dell oder Sony stumm.

Noch schlimmer sieht die Situation bei den unzähligen No-Name-Playern aus, die für unter 100 Euro Musik an jedem Ort versprechen. Diese MP3- Player verfügen im Gegensatz zu den mit einer Festplatte ausgestatteten Geräten nur über eine beschränkte Kapazität von 128 oder 256 Megabyte, was für bis zu vier Stunden Musik ausreicht. Handelt es sich dabei um Stücke, die von Schallplatte oder CD stammen, erfüllen die Player durchaus ihre Funktion. Nicht so jedoch bei „gekaufter“ Musik aus einem der Internet-Shops. Denn mit dem dort üblichen Rechteverfahren kommen die meisten Einfachplayer häufig nicht zurecht. Beim Kauf sollte man sich darum am besten schriftlich bestätigen lassen, dass der ausgesuchte Player tatsächlich mit der bevorzugten Musikbörse harmoniert.

Der erfahrene Musikfreund achtet deswegen darauf, dass die gekaufte Musik möglichst häufig als Audio-CD gebrannt werden kann. Eine solche Sicherungskopie ist ratsam, weil noch immer ungeklärt ist, ob bei einem Austausch des Computers gegen ein neues Modell auch die kopiergeschützte Musik problemlos mitgenommen werden kann. Der Re-Import von der Audio-CD (notfalls über einen externen CD-Player und den Computer-Soundeingang) ist immer möglich.

Darum prüfe, wer sich an einen Shop bindet: Ist das Album für knapp zehn Euro wirklich das vermeintliche Schnäppchen? Bei Amazon und BOL purzeln gerade die Preise in der Tonträgerabteilung, oft ist die „echte“ CD mit Booklet, Hülle und Versand schon günstiger als der Download aus dem Netz. Zumal der Download für die virtuelle Langspielplatte selbst bei einer DSL-Verbindung bis zu 15 Minuten dauern kann. Auch die Tonqualität in den Online-Shops ist nicht über jeden Zweifel erhaben. Hier gilt: Vergleichen ist Pflicht – und zwar durch Probehören mit Kopfhörer. Bei einigen Titeln und insbesondere bei Hörbüchern klingt das Resultat verrauscht wie aus der Telefonleitung.

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