Gut vernetzt : Möpse und Miezen

Mit „My Social Petwork“ startet ein soziales Netzwerk für Tiere. Kundschaft gibt’s mit über 22 Millionen Haustieren in Deutschland theoretisch genug.

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Das Biest ist klein, weiß und wuschelig und auf Facebook gehört es zu den prominentesten Mitgliedern – was nicht weiter verwundert, denn sein Besitzer ist der Gründer des sozialen Netzwerks: Mark Zuckerberg. Zusammen mit Freundin Priscilla Chan hat er seinem ungarischen Schäferhund namens Beast eine eigene Facebook-Fanpage eingerichtet. Mehr als 150 000 Fans verfolgen hier, wie das Tier die Zuckerberg’sche Toilette verwüstet oder Pfötchen gibt und „Mom“ und „Dad“, wie sich Zuckerberg und Chan selbst bezeichnen, viel Freude macht.

Nicht nur der Netzwerk-Millionär, sondern viele Tierbesitzer unter den weltweit rund 750 Millionen Nutzern haben ihren kleinen Lieblingen bei Facebook eine eigene Seite eingerichtet oder nehmen gleich deren Bild als Profilfoto. Doch nun will der deutsche Klambt-Verlag („Grazia“, „OK!“, „Frau mit Herz“), dessen digitales Geschäft bisher eher überschaubar war, Facebook Konkurrenz machen und den Tierfans ein eigenes Netzwerk bieten. „My Social Petwork“ heißt es und soll in der kommenden Woche starten. Tierbesitzer und -liebhaber sollen hier ihren kleinen Lieblingen ein Profil anlegen, Möpse und Miezen miteinander vernetzen, Videos von ihnen hochladen und Nachrichten verschicken.

Inspiriert zu „My Social Petwork“ wurden die beiden Brüder Lars Joachim und Kai Rose, Verleger und geschäftsführende Gesellschafter der Mediengruppe, durch Mops Julius und Chihuahua Mini. Die beiden Hunde dürfen ihre Frauchen Sara Urbainczyk, Leiterin des Bereichs Digitale Medien bei Klambt, und Ninon Götz, stellvertretende „Grazia“-Modeleiterin, zur Arbeit begleiten. Auch Kai Rose besitzt einen Dackel namens Alfi – und der soll bald viele neue Freunde bekommen.

„Bis Jahresende wollen wir 100 000 Anmeldungen erreichen“, sagt Kai Rose. 250 000 Euro investiere Klambt zunächst in die Plattform. Auch wenn das Projekt Ganze auf den ersten Blick etwas verrückt klinge, sagte Lars Joachim Rose kürzlich, glaube er daran, dass die Idee die Generation Facebook unter den Tierliebhabern begeistern werde. Jedes zehnte Tier in Deutschland habe schon eine Internetpräsenz – nicht nur bei Facebook.

Schon jetzt gibt es zahlreiche Online-Netzwerke für Besitzer von jeglichen Tierarten, von deinetierwelt.de mit zahlreichen Kleinanzeigen, über spezialisierte Seiten wie hallohund.de aus dem Burda-Verlag, wo Besitzer Profile für ihre Vierbeiner anlegen können bis hin zu Foren wie rennmaus.de, wo beispielsweise diskutiert wird, was zu tun ist, wenn der Maus plötzlich der Schwanz fehlt.

Kundschaft für all diese Seiten gibt es zumindest theoretisch genug. 22,3 Millionen Heimtiere (ohne Zierfische und Terrarientiere) lebten 2010 nach Angaben des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe in deutschen Haushalten, darunter 8,2 Millionen Katzen, 5,3 Millionen Hunde und ebenso viele Kleintiere wie Hamster, Hasen und Meerschweinchen – und die sind ihren Besitzern einiges wert: 3,7 Millionen Euro gaben die Deutschen für ihre Tiere aus, Tendenz steigend. Doch davon profitieren offenbar vor allem die Futter- und Zubehörhersteller, nicht aber die Medien. Denn vom Klassiker „Ein Herz für Tiere“ aus dem Gong-Verlag bis zu innovativen Formaten wie dem Hundehochglanz-Heft „Dogs“ von Gruner + Jahr, mussten zuletzt fast alle Tier-Magazine ein Auflagenminus verzeichnen.

„Dogs“, das im September fünfjähriges Bestehen feiert und alle zwei Monate erscheint, verkauft mit rund 51 300 Exemplare (IVW, 2. Quartal) knapp zehn Prozent weniger als im Vergleich zum Vorjahresquartal, ist damit aber noch immer Marktführer unter den Hundezeitschriften. In der aktuellen Ausgabe geht es um die beliebteste Rasse weltweit, den Golden Retriever, darum, warum Hunde Kindern guttun und Tierschutz auf Ibiza. Die Fotos sind so hochwertig wie in einem Modemagazin – nur dass die Models eben vier statt zwei Beine haben. Trotz des Auflagenrückgangs ist „Dogs“-Chefredakteur Thomas Niederste-Werbeck überzeugt, dass Online-Communities die gedruckten Hefte nicht ersetzen können. „In den Foren der Netzwerke können sich die Nutzer zwar austauschen, doch entstehen oft Unsicherheiten, welcher Rat nun wirklich richtig ist. Bei uns kommen Experten und Tierärzte zu Wort, die verlässliche Informationen bieten“, sagt Niederste-Werbeck.

Auch Ursula Birr, Chefredakteurin der Magazine „Geliebte Katze“, „Dogstoday“ und dem Klassiker „Ein Herz für Tiere“ aus dem Gong-Verlag, der im kommenden Jahr 30-jähriges Bestehen feiert und zurzeit monatlich knapp 71 500 Exemplare verkauft, glaubt weiter an den Erfolg der Hefte: „Wenn sich der Hund verletzt, schauen die Besitzer schnell im Netz, was zu tun ist. Geht es aber um tiefer gehenden Nutzwert wie die Erziehung der Tiere, sind die Printtitel gefragt.“

Bei „My Social Petwork“ sind ebenfalls alle Tierarten willkommen und Kai Rose glaubt, dass sich Besitzer von Vogelspinnen und Perserkatzen etwas zu sagen haben: „Egal ob im Wald, auf der Wiese oder beim Friseur, die Leute sprechen ständig über ihre Tiere. Mit ,My Social Petwork’ können sie sich jetzt noch schneller und besser austauschen“, sagt Rose.

Dass „Dad“ Zuckerberg seinen Hund Beast bei der Konkurrenz anmeldet, ist allerdings eher unwahrscheinlich.

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