Medien : Gute Schauspieler, schlechter Plot – „Die Pathologin“ auf Pro 7

Katharina Zeckau

Bevor die Pathologin Doktor Volkmann ihre neue Praktikantin Leo zur Obduktion bittet, gießt sie ihr erst mal einen Whisky ein. Schließlich handelt es sich bei der zu untersuchenden Leiche um Max, Leos Kommilitonen und Ex-Freund. Spätestens zu diesem Zeitpunkt könnte auch der Zuschauer einen Hochprozentigen vertragen – nicht so sehr, um die durchaus blutigen Bilder aus den Sezierstuben zu verkraften, sondern vielmehr, um die zunehmend kruden Wendungen in „Die Pathologin“ besser zu ertragen.

Problematisch ist nicht, dass man den Plot dieses Pro 7-Krimis so oder so ähnlich schon einmal gesehen hat, etwa in dem Kinofilm „Anatomie“: Junge, hübsche und ehrgeizige Studentin, diesmal im Klinikpraktikum, deckt Machenschaften von skrupellosen Ärzten auf, die für die Forschung sprichwörtlich über Leichen gehen. Auch liegt es nicht an der Besetzung, dass der Mediziner-Thriller zunehmend langweilt: Maria Simon als Charité-Studentin Leo bemüht sich redlich, den sich überschlagenden Ereignissen durch ungekünsteltes Spiel Bodenhaftung zu verleihen. Doch kommt auch die engagierteste Schauspielerin nicht an gegen die Fülle an unglaubwürdigen Handlungstwists, wie sie Drehbuch und Regie von „Die Pathologin“ aufweisen. Zwar sind die kriminologischen Ermittlungen der Studentin Leo, die nicht glauben mag, dass der im Unilabor verstorbene Max Selbstmord begangen hat, und die den neuen Arbeitsplatz in der Rechtsmedizin für Recherchen in eigener Sache nutzt, zunächst noch recht flott anzusehen – trotz grober Unwahrscheinlichkeiten wie der Tatsache, dass Leo in einem für studentische Verhältnisse bemerkenswert weitläufigen Loft über den Dächern Berlins haust. Doch schon ab seinem zweiten Drittel verliert der Krimi zunehmend an Tempo, da sich Regisseur Jörg Lühdorff nicht mit dem zentralen Plot begnügen will und sich in unnötigen Wendungen und Nebensträngen verliert. So werden einem Techtelmechtel der in ihrer Rehäugigkeit ohnehin schwer enervierenden ermittelnden Kommissarin oder einem Eifersuchtsdrama um Leos Kumpel Constantin unnötig Platz eingeräumt, während andererseits häufig der Raum fehlt, um Leos detektivische Gedankengänge glaubhaft zu vermitteln – oft werden diese dann nurmehr auf unbeholfene Weise von den Nebenfiguren referiert. Welche Vergeudung eines zum Großteil grandios aufspielenden Schauspielerensembles, in dem neben der Hauptdarstellerin vor allem Nina Petri als Frau Professorin Volkmann glänzt.

„Die Pathologin“: Pro 7, 20 Uhr 15

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben