Medien : Haare, Flusen, Hautpartikel

„CSI New York“: Vox trifft mit einem weiteren Ableger der Serie „CSI“ den Nerv der Zeit

Markus Ehrenberg

Crime Scene Investigation, nie gehört? CSI, auch noch nicht? Für Millionen Zuschauer sind die drei Buchstaben magisch. Sie stehen für eine Krimireihe auf Vox und RTL, für eines der erfolgreichsten TV-Formate der vergangenen Jahre, bei Kritik und Quote zugleich. Bevor Anke Schäferkordt als Senderchefin von Vox zum großen Senderbruder RTL wechselte, hatte sie das Beste schon abgeliefert: „CSI Miami“ ein Ableger des Originals „CSI – Den Tätern auf der Spur“. Wer diese US-Krimis noch gar nicht gesehen hat – mit „Columbo“ hat das wenig zu tun. „CSI“, zu Deutsch „Spurensuche am Tatort“, ist ein Mix aus viel Naturwissenschaft, Spannung und Unterhaltung. Von 40 Minuten sind 30 Minuten HighTech-Laborarbeit, Indizien-Analyse, Computer-Grafiken. Wir sehen coolen Forensik-Spezialisten in dunklen Kitteln beim modernen Leichensezieren zu. Eine unverwechselbare, kalte Ästhetik, die offenbar den Nerv der Zeit trifft, man spricht schon vom „CSI-Effekt“. Der Job des Gerichtsmediziners steht hoch im Kurs. Ein Trend, dem auch erfolgreiche deutsche Krimis wie „Tatort“ oder „Der letzte Zeuge“ nachgehen. Kaum eine Folge ohne Obduktionen, toxikologische Screenings, detailbesessene Pathologen.

Trendsetter ist und bleibt aber: „CSI“. Ein Serienphänomen. Die vierte Staffel von „CSI – Den Tätern auf der Spur“ sahen bei Vox durchschnittlich 3,1 Millionen Zuschauer. Macht bis zu 20 Prozent Marktanteil bei der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Das sind dreimal so viel wie im Senderschnitt. Was so gut läuft, bekommt in der Branche einen Spin Off, einen Ableger. Der heißt „CSI Miami“ und wurde auf Vox genauso erfolgreich. Zu erfolgreich. Die Serie musste im April zu RTL gehen, hat dort dienstags in der Primetime bis zu 22 Prozent Marktanteile. Am Montag nun startet bei Vox noch eine Weiterentwicklung: „CSI New York“.

Ob Las Vegas (da spielt das Original), Miami oder jetzt New York – das Strickmuster bleibt überall das gleiche. Mordfälle, Gewaltverbrechen in einer Großstadt. Wo früher Columbo oder Quincy ihre Fälle aus dem Bauch lösten, sucht ein Expertenteam Stiefelabdrücke und DNA-Spuren, im ersten Teil die eines Serienmörders, der Frauen quasi lebendig in ihrem eigenen Körper einsperrt. Motto: Menschen können lügen, Beweise nie!

„CSI New York“, das sind noch mehr Nachtschichten, Haare, Flusen, Hautpartikel. Das alles wird in schnellen Schnitten erzählt. Eigentlich nichts für jeden Geschmack, aber die Leute können nicht genug davon kriegen. Kaum eine Sequenz ohne vergrößerte Einblicke auf Schnittwunden. Bei aller Wirklichkeitsnähe – man möchte gar nicht ganz genau wissen, wer da Tag für Tag so gerne in grausam zugerichtete Leichen hineinschaut, zusammen mit dem neuen New Yorker Chefermittler Mac Taylor.

Der Detective, ein Ex-Marineoffizier, hat seine Frau am 11. September verloren. Eine Figur mit deutlich mehr Fallhöhe als seine „CSI“-Vorgänger, gespielt vom Hollywood-Star Gary Sinise, ein bekanntes Gesicht aus profilierten Nebenrollen wie in „Der menschliche Makel“, vor allem aber als Ltd. Dan in „Forrest Gump“. Dafür erhielt Sinise 1994 eine Oscar-Nominierung.

Sicher kein Mainstream-Schauspieler, eher ein Theatermann, schwer einzuordnen zwischen bravem Amerikaner und Rocker, auch im Gespräch über die neue Primetimegeschichte und den Nerv der Zeit. „Gut, ich möchte jetzt kein Leben lang Tatort-Ermittler sein, hatte auch nie gedacht, dass ich mal Serie mache.“ Andererseits, so Sinise, ist Kino/Fernsehen in den USA „keine Entweder/Oder-Entscheidung“ mehr. Kann es auch gar nicht sein, bei den Zahlen. Zwischen Ost- und Westküste schauen 26 Millionen Zuschauer die sechste „CSI“-Staffel. Gut geschriebene Serien wie auch „Lost“ oder „Desperate Housewives" stehen im Blickpunkt der Branche.

Für Schauspieler gilt das Seriengeschäft als „zuverlässige Branche“, als „Möglichkeit, Charaktere auch mal längerfristig zu entwickeln“, sagt Sinise. Daran versuchten sich bereits Robert Downey jr. in „Ally McBeal“ oder Kiefer Sutherland in „24“. Nun also „CSI New York“. Gary Sinise ist sicher ein guter Grund, der denkbar düstersten Weiterdrehe des „CSI“-Effekts zuzuschauen, immer mit der Frage im Kopf: Was fasziniert eigentlich an Serien mit Gerichtsmedizinern, wenn das alles so kalt und traurig ist? Vielleicht gerade, weil das alles so kalt und traurig ist? Manchmal wünscht man sich, Woody Allen würde um die Ecke kommen, zu Mac Taylor am Ground Zero, dem Trauma nicht nur aller Gerichtsmediziner. Genau, das ist das Erfolgsgeheimnis, sagt „CSI“-Autor Anthony Zuiker. „Da draußen ist eine gewalttätige Welt, aber auch am schlimmsten Tag ihres Lebens gibt es Leute, die ihren Job machen und den Familien die Antworten bringen, die sie brauchen.“ Klingt irgendwie auch nach Weißem Haus.

„CSI New York", Montag, Vox, um

20 Uhr 15

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