Haare : Satanische Frisuren im Nahen Osten

Der Teufel lauert überall und im Iran sogar im Haar. So sieht das jedenfalls der Chef des dortigen Herrenfriseurverbandes. Vielleicht dachte er dabei auch an Kim Kardashian und ihre unerhörten Fähigkeiten, meint Matthias Kalle.

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Das Multitalent Kim Kardashian mit platinblondem Haar. Foto: dpa/ Etienne Laurent
Das Multitalent Kim Kardashian mit platinblondem Haar.Foto: dpa/ Etienne Laurent

Im Iran gibt es einen Herrenfriseurverband. Dieser Verband hat einen Chef, er heißt Mohammed Govahi. Govahi hat jetzt der iranischen Nachrichtenagentur Isna ein Interview gegeben, in dem er Regeln aufstellt für islamkonforme Frisuren. Die oberste Regeln lässt sich so zusammenfassen: „Satanische Frisuren sind verboten.“ Ich finde, damit hat Mann vollkommen Recht.

Weiter sagt Govahi: „Allen Friseurläden, die solche teuflische Frisuren schneiden, werden die Lizenzen entzogen. Tattoos, Solariumbesuche und das Zupfen der Augenbrauen sind auch verboten.“ Das mit den Tattoos ist wahrscheinlich nicht nur eine ästhetische, sondern eine zukunftsweisende Entscheidung, schließlich wurde ja jetzt bekannt, dass die Apple Watch bei Menschen, die am Handgelenk tätowiert sind, keinen Puls messen kann. Iran macht sich bereit für die Zukunft.

Gut, der Mann sagte auch einen ziemlichen Unfug, als er darüber sprach, dass auch „Frisuren, wie sie von Homosexuellen getragen werden“, verboten gehören. Auch legte der Mann nicht offen, wie genau die Frisuren aussehen, mit denen man sich im Iran noch frei bewegen kann. Klar soll allerdings sein, dass Gelfrisuren und Undercuts Teufelswerk sind – so wie Pferdeschwänze bei Männern, die bereits seit fünf Jahren verboten sind.

Frau sucht Mann mit Pferdeschwanz - Frisur egal

Harald Schmidt erzählte einmal folgenden Witz: „Frau sucht Mann mit Pferdeschwanz – Frisur egal.“ Ob Schmidt seine Frisur immer egal war? Man konnte ihm im Fernsehen beim Grauwerden zuschauen – als er nach einem Jahr Pause zurückkehrte, hatte er lange Haare und einen Bart. Heute haben Männer im Fernsehen meistens den Pilawa-Cut: eher kurz, bisschen strubbelig, vorne mit Gel fixiert. Pilawa stellt mit dieser Frisur seine Fragen, Kerner auch, der lässt allerdings das Gel weg, und Markus Lanz stellt mit Fragen seine Frisur.

Wer im Fernsehen mehr bietet, neigt zum schütteren Haar: Oliver Welke und Jan Böhmermann taugen hier als Beispiele, mitunter auch Stefan Raab. Die Zeit der langhaarigen Männer im deutschen Fernsehen scheint dagegen vorbei zu sein. Thomas Gottschalk bleibt zwar seiner Frisur treu (sie ihm aber nicht), ansonsten aber sind Langhaarige fast komplett vom Bildschirm verschwunden (was macht eigentlich Michael Steinbrecher?).

Ingo Zamperoni lässt sich den Bart stehen

Es ist aber auch schwierig – das Thema Haare und Fernsehen. Wenn sich zum Beispiel mal einer einen Bart stehen lässt, so wie einmal Ingo Zamperoni, überfordert er damit den Zuschauer, für den das Fernsehen ja mitunter ein Medium ist, das vor allem bewahren soll. Kleinste Änderungen werden mit Argwohn zur Kenntnis genommen, wegen der neuen Brille eines Moderators gab es schon Beschwerdebriefe. Eigentlich ist es kein Wunder, dass die Verantwortlichen jede inhaltliche Innovation scheuen, wenn schon äußerliche Innovationen zu Protesten führen.

Vielleicht gilt deshalb auch Kim Kardashian hierzulande vielen als Flitzpiepe. Dabei hat die Frau menschunmögliches geschafft: Sie, die eigentlich dunkle Haare hat, war vier Tage lang platinblond. Experten wie Mohammed Govahi wissen, dass man nicht vier Tage lang platinblond sein kann – und dann plötzlich wieder dunkle Haare hat. Keine Ahnung, ob das unter die Kategorie „satanische Frisuren“ fällt. Aber ich finde, dass Kim Kardashians Haare eine eigene Fernsehshow bekommen sollten.

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