Medien : Hämoglobin und Herrenwitze

Axel Vornbäumen

Olympia mit Waldi & Harry – ARD (nächste Ausgabe am Donnerstag). Harald Schmidt (Harry) ist Kult, und manche sagen, Waldemar Hartmann (Waldi) sei es auch. Schmidt kann super Hitler nachmachen. Es gibt auch weit und breit niemanden, der witziger Türklinken testet, beispielsweise. Er gibt eigentlich überhaupt niemanden, der witziger ist als er. Schmidt kann alles, versteht aber nix von Sport. Hartmann versteht auch nix von Sport, hat aber die Pressefreiheit mal in eigener Sache gegen einen aufgebrachten Rudi Völler verteidigt, indem er dessen Behauptung, er, Hartmann, habe schon drei Weizenbiere intus, tapfer zurückwies.

Das hat ihm zu einer gewissen Popularität sowie Weizenbierwerbeeinnahmen verholfen. Seitdem wartet man bei Sendungen mit Hartmann in erster Linie darauf, dass ihn jemand beleidigt. Wer das schon für Kult hält, bitte sehr! Hartmann ist nicht witzig.

Beide zusammen, Waldi und Harry, moderieren an ARD-Sendetagen aus dem „Deutschen Haus“ in Sestriere die Sendung „Olympia mit Waldi & Harry“. Es soll eine Art Zusammenfassung des Olympiatages sein – bisschen Sport, bisschen Show, bisschen Anhimmeln der Medaillengewinner, was Nettes zum Abschluss halt. ARD-Programmdirektor Günter Struve hat sich erhofft, der Zuschauer bekäme dadurch „Champagner und Weißwurst“, was wohl die Umschreibung für so etwas wie krachledern vorgetragene Subtilität sein soll, nach dem Motto: „Du bist immer noch ein Vollblut, das ist ja gar nicht zu übersehen“. (Waldi, offenkundig durch Harrys Anwesenheit weitgehend enthemmt, zum Studiogast, der DDR-Eiskunstlaufolympiasiegerin von ’84 und ’88, Kati Witt).

Eigentlich ein typischer Schmidt-Satz, Zotiges mit der Zonen-Kati – nur dass er von Waldi in bester Herrenwitzmanier vorgetragen wurde. Will man das, am Ende eines anstrengenden Olympiatages? Eigentlich nicht. Wobei sich der Eindruck nach dem Witt-Auftritt andererseits schon einstellt, sie sei für diesen ersten Sendeabend vornehmlich wegen des Vollblut-Faktors eingeladen worden; denn fachlich war es quasi sinnlos. Zum Eiskunstlauf der Damen wird es nämlich während der gesamten Spiele aus deutscher Sicht eher wenig zu sagen geben – allein schon deshalb, weil keine Deutsche teilnimmt.

Katarina Witt hat stattdessen mit Georg Hackl, dem bei seinem letzten Olympiaauftritt erfolglos gebliebenen Rodler, auf dessen Schlitten einen Doppelsitzer nachgestellt. Das wäre selbst als Sketch verunglückt. Vorher schon hatte Hartmann Skispringen mit Skifliegen verwechselt, was der fachlich allemal gröbere Klops ist.

Und Schmidt? Ruft einmal laut, wie es so seine Art ist: „Hämoglobin! Wir wollen doch dieses heikle Thema nicht ausgrenzen, oder?“ Da aber ist der Waldi auf einmal peinlich berührt und sagt: „Wir gleiten ein bisschen ab, wir wollten über die Abfahrt reden!“

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