Medien : Halbfinale im Hörfunk

Massiver Bild-und-Ton-Ausfall bei der Fußball-EM

Joachim Huber

Das war echtes Glück im Unglück. Kurz bevor Miroslav Klose das 2 : 1 für die deutsche Mannschaft schoss, war das Bild auf dem ZDF-Schirm wieder da. Das Bild stammte vom Schweizer Fernsehen, der Ton kam vom ZDF-Kommentator Béla Réthy. Um die ganze Situation noch kurioser zu machen, war die Kommentarstimme gefühlte fünf Sekunden vor dem Bild beim Zuschauer, weil Réthy ins Telefon sprechen musste. Der ZDF-Mann muss sich wie der einsamste Mensch auf Erden gefühlt haben. Egal, die Übertragung hielt.

Begonnen hatte das Drama kurz nach der Halbzeit beim Halbfinale Deutschland gegen Türkei. Nach dem Wiederanpfiff fiel für rund zehn Minuten das Bild aus, selbst der Ton blieb aus, kam wieder – Fernsehmann Bela Rethy versuchte sich als Radioreporter, das allerdings gekonnte. Um 22 Uhr 14 gab es wieder eine kurze Unterbrechung. Nach einigen Minuten war der Ton wieder da, dafür blieb das Bild aber weg. So muss es 1954 beim WM-Finale gewesen sein, als alle um die Radios herumsaßen und dem Geschehen aus Bern und der Reportage von Herbert Zimmermann lauschten. Nach weiteren Minuten war die Nostalgiewelle abgeebbt, das Bild war wieder da. Eine erste Nachfrage von Tagesspiegel Online in der ZDF-Zuschauerredaktion ergab noch keine Begründung. „Wir wissen noch nicht, woran es gelegen hat.“

Als sich die Übertragungs-Situation wieder einigermaßen stabilisiert hatte, hatte das ZDF eine Erklärung parat – massive technische Pannen in der internationalen Euro-Fernsehzentrale in Wien. ZDF-Sprecher Alexander Stock sagte dem Tagesspiegel, „es war ein Stromausfall im Broadcast-Center in Wien, von dem alle Stationen in Europa außer dem Schweizer Sender betroffen waren.“ Diese Fernsehstation hatte offenbar eine besondere Verbindung in das Basler Stadion gelegt, von dem alle übertragenden Stationen profitieren konnten.

Im EM-Quartier von Tagesspiegel und „11 Freunde“ an der Treptower Arena reagierten die Fans auf den Bild-und-Ton-Ausfall zunächst ungehalten, doch dann gab es „Deutschland, Deutschland“-Rufe zur Aufmunterung. Mit dem 3 : 2-Sieg der Löw-Elf war quasi wieder alles im Lot: Das Bild kam vom ZDF, der Ton parallel von Béla Réthy. Was aber wird im Finale? Joachim Huber

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