Hallo, hallo? : Das spricht Bände

Ausreichend großer Netzanschluss, Sicherheit, Gesprächsqualität - was man beim Telefonieren übers Internet beachten muss.

Jana Gioia Baurmann
Quatschen am PC. Mit Programmen wie Skype kann man gegebenenfalls sogar kostenfrei über das Internet telefonieren. Man benötigt einen Computer mit Soundkarte und Headset. Eine installierte Webcam macht daraus sogar ein optisches Erlebnis. Foto: Reuters
Quatschen am PC. Mit Programmen wie Skype kann man gegebenenfalls sogar kostenfrei über das Internet telefonieren. Man benötigt...Foto: Reuters

8,5 Milliarden US-Dollar hat Microsoft jüngst für den Kauf von Skype bezahlt, jene Software, die das kostenlose Telefonieren zwischen zwei Skype-Kunden via Internet ermöglicht. Das war die bisher teuerste Übernahme in der Geschichte des Unternehmens. Weltweit hat Skype rund 663 Millionen registrierte Nutzer, die übers Internet miteinander telefonieren, chatten oder Videokonferenzen abhalten. Das digitale Zeitalter bringt Komfort – und beschleunigt. Die Art zu telefonieren hat sich gewandelt. Noch vor 20 Jahren kannte man nur einen Weg: Man hob den Telefonhörer ab, wählte die Rufnummer und wartete auf den Freiton in der Leitung. Wegen des Kabels, gedreht und meist viel zu kurz, saß man dicht neben dem Telefon. Anfang der 90er Jahre funktionierte Telefonieren dann auch schnurlos. Seit ein paar Jahren kann man übers Internet telefonieren: Voice over IP-Telefonie (VoIP). IP steht dabei für Internetprotokoll. „In diesem Jahr werden in Deutschland rund elf Millionen Nutzer regelmäßig über das Netz telefonieren“, sagt Bernd Klusmann vom Branchenverband Bitkom. Das ist ein Anstieg von 13,5 Prozent im Vergleich zu 2010.

Wie funktioniert eine IP-Verbindung?

Im herkömmlichen Telefonnetz sind die Gesprächsteilnehmer über klar festgelegte Kabelstrecken miteinander verbunden. Eine Leitung zu dem Angerufenen wird hergestellt, dann kann man das Gespräch beginnen. Wie der Name vermuten lässt, wird bei VoIP die Verbindung übers Internet hergestellt. Toninformationen werden zuerst digitalisiert, Daten und Telefongespräche dann in sogenannte Datenpakete verpackt und übers Internet verschickt. Beim Empfänger werden die Daten wieder zusammengesetzt. Für das Telefonieren via Internet braucht man einen schnellen Internetzugang per DSL oder Kabel. Bei VoIP ermöglicht nur ein breitbandiger Internetanschluss eine vergleichbare Sprachqualität wie beim gewohnten Telefon. Ab DSL 1000 sind Anrufe via Internet in der Regel störungsfrei möglich. Neben den inzwischen weit verbreiteten DSL-Anschlüssen auf der Basis der Telefonleitungen, wie beispielsweise bei T-Online, werden Breitbandanschlüsse vermehrt auch von TV-Kabelnetzbetreibern angeboten, etwa von Cable Television, Kabel Deutschland oder CATV. Ein DSL-Anschluss lohnt sich jedoch nicht, wenn er ausschließlich wegen VoIP abgeschlossen wird. Generell ist eine sogenannte Flatrate sinnvoll, also ein Internetzugang zum monatlichen Pauschalpreis in der Regel zwischen 25 und 40 Euro.

Wie fit muss der Computer sein?

Der Internetanschluss ist das eine, doch auch die Computerleistung ist wichtig: Man braucht mindestens einen Pentium II-Prozessor mit 300 MHz, einen großen Arbeitsspeicher sowie eine hohe Festplattenkapazität. Stimmen Internet- und Computerleistung, gibt es verschiedene Möglichkeiten, Internettelefonie zu nutzen, etwa über Soft-Phones, Internettelefon, ein analoges Telefon sowie einen VoIP-Router. Soft-Phones sind Programme wie etwa Skype oder Jajah, mit denen man übers Netz telefonieren kann. Die spezielle Software kann meist kostenlos im Netz heruntergeladen werden, weiter braucht man einen Computer mit Soundkarte und Headset. Die Kopfhörer mit Mikrofon sind ab circa 15 Euro im Handel erhältlich. Haben bei Skype beide Gesprächsteilnehmer die Software installiert, sind die Gespräche kostenlos. Man kann auch Personen anrufen, die Skype nicht installiert haben – also auf Fest- und Mobilnetz telefonieren. Allerdings ist das Gespräch dann kostenpflichtig. Haben beide Teilnehmer eine Webcam installiert, können sie sich während des Gesprächs auch sehen. Eine Chatfunktion bietet Skype ebenfalls. Bei Jajah muss nicht einmal ein Programm aufgespielt werden, registrieren muss man sich aber trotzdem.

Was sind die Zusatzgeräte?

Das Internettelefon wird über einen vorhandenen DSL-Router mit dem Netz verbunden, und man kann wie gewohnt telefonieren. Wer sich beim Umstieg auf Internettelefonie keine neuen Geräte anschaffen möchte, benötigt einen VoIP-Adapter. Herkömmliche Festnetz- und Schnurlostelefone können so auch weiterhin genutzt werden. Manchmal ist solch ein Adapter bereits im Internetmodem integriert. Solche Zugangsboxen bieten viele Telefon- und Internetanbieter bei Kauf und Abschluss eines Laufzeitvertrages an, etwa die „Fritz Box Fon“ von AVM. Beim Anruf auf Festnetz oder zu einem Handy leitet der Internettelefonie-Anbieter das Gespräch über eine Schaltstelle ins jeweilige Telefonnetz.

Kosten kontrollieren

„Kostenlos telefonieren“, werben viele Anbieter. Das stimmt jedoch nur bedingt. Kostenfrei sind in der Regel netzinterne Telefonate, also Gespräche zwischen zwei Kunden eines VoIP-Anbieters und in vorhandene Partnernetze. Für sogenannte „Outbound Calls“ – Gespräche, die das IP-Netzwerk verlassen, also zwischen einem VoIP-Teilnehmer und einem Teilnehmer des klassischen Telefonnetzes – verlangen die jeweiligen Dienstleister Gebühren. Da müsse der Verbraucher achtsam sein, sagt Klusmann. Die Preise liegen zwischen den günstigsten Call-by-Call-Preisen und den Tarifen der Deutschen Telekom. Wer oft auf Handys telefoniert, sollte lieber bei Call-by-Call bleiben und nicht über einen VoIP-Tarif telefonieren. Die individuellen Bedürfnisse sind wichtig, vor allem bei der Wahl der Anwendung oder des Dienstleisters. Einige Programme wie etwa Skype sind relativ einfach und mit nur geringen Vorkenntnissen zu installieren, erlauben jedoch weniger individuelle Anpassungen. Dazu kommt, dass die Sprachqualität sehr stark variieren kann, beispielsweise bei einer geringen Bandbreite. „Am einfachsten ist es zur Zeit noch, Verbindungen innerhalb eines Dienstanbieters herzustellen“, sagt Klusmann. „Daher sollte man sicherstellen, dass man sich dort anmeldet, wo auch viele der potenziellen Gesprächspartner bereits sind.“ Auch sollte man darauf achten, dass vorhandene Firewall-Systeme möglicherweise speziell für das Durchlassen von VoIP-Verbindungen noch zu konfigurieren sind.

Festnetz bleibt erhalten

Wird Internettelefonie das Festnetz eines Tages ersetzen? „Mittelfristig nicht“, sagt Klusmann. Zwar sei Internettelefonie in vielen Bereichen interessant, insbesondere, wenn es um private Gespräche ins Ausland geht. Oder wenn bei international agierenden Unternehmen kleinere Telefonkonferenzen mit Auslandsbeteiligung durchgeführt werden sollen. Doch nationale Gespräche im Festnetz sind mittlerweile kostenlos und haben in den meisten Fällen eine deutlich bessere Sprachqualität. „Ein weiteres Problem ist der Notruf“, sagt Klusmann. „Da VoIP-Telefone nicht ortsgebunden sind, ist im Falle eines Notrufs die Lokalisierung anhand der Teilnehmerrufnummer beispielsweise nicht möglich.“

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