Medien : Hamburg ist Heimat, Berlin die Zukunft

Springer verschiebt Umzug von „Bild“ und „Bild am Sonntag“ auf März 2008 / 500 Mitarbeiter betroffen

Simone Schellhammer

Unter starken Sicherheitsvorkehrungen fand gestern in Hamburg eine Betriebsversammlung der Axel Springer AG statt, bei der es um den bevorstehenden Umzug von „Bild“ und „Bild am Sonntag“ nach Berlin ging. Nach einem Anschlag auf das Auto von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann vergangene Dienstagnacht durch militante G-8-Gegner ist die Situation für den in Hamburg gegründeten Verlag zusätzlich angespannt. Diekmann betonte erneut, dass „,Bild’ als Leitmedium in die Nachrichtenhauptstadt“ gehöre. Vorstandschef Mathias Döpfner sagte, wirtschaftliche Gründe für diese Entscheidung bestünden nicht, die bessere Auslastung der Berliner Verlagsgebäude sei dabei nur ein Nebenaspekt. Anders als bisher angekündigt, soll der Umzug nicht im Oktober diesen Jahres, sondern erst im März 2008 stattfinden. Außerdem seien nicht 700 Mitarbeiter, sondern rund 500 betroffen. 200 Beschäftigte aus den Bereichen Vertrieb, Logistik und Produktion werden in Hamburg bleiben können.

Den Umzug lässt sich der Verlag offenbar viel Geld kosten: Ein halbes Jahr lang bezahlt er den Mitarbeitern eine doppelte Haushaltsführung, außerdem die Pendlerkosten, eine Umzugspauschale von 5000 Euro plus Maklerkosten. Auch eine Kindertagesstätte wird es dann in Berlin für Springer-Mitarbeiter geben. Das meiste von diesen „guten Gaben“, sagte ein Betriebsrat, sei aber sowieso Bestandteil einer Betriebsvereinbarung, die einst für den Umzug der „Welt“ 1993 von Hamburg nach Berlin getroffen worden sei.

Anfangs herrschte bei der Versammlung, zu der mehrere hundert Mitarbeiter ins Congress Centrum Hamburg gekommen waren, einiger Aufruhr. Es gab Buhrufe und zahlreiche T-Shirts mit der Aufschrift „Ich bin kein Berliner“. Manche in der Belegschaft fürchten weitere Rationalisierungen und empfinden es als Drohung, wenn Döpfner davon spricht, dass betriebsbedingte Kündigungen ja „noch“ kein Thema seien. Kritik gab es vor allem daran, dass der Betriebsrat erst am Abend vor der Veröffentlichung eines „FAZ“-Interviews mit Diekmann von den Umzugsplänen erfahren hat. Die Mitarbeitervertretung hat sich mit der Geschäftsleitung auf eine „Hamburger Erklärung“ verständigt, in der eine Bestandsgarantie für den Standort Hamburg mit den restlichen Springer-Publikationen (wie „Bild der Frau“, „Auto Bild“, „TV Digital“, „HörZu“) gegeben werden soll. Für welchen Zeithorizont das gilt, wird in den nächsten Tagen vereinbart. „Eine Garantie für die Ewigkeit kann es nicht geben, das verstehen wir“, sagte Betriebsratsvizechefin Gudrun Dilg dem Tagesspiegel, „aber ob für fünf oder zehn Jahre, das macht schon einen Unterschied“. In Hamburg seien auch nach dem Umzug mit 2800 Beschäftigten noch mehr Springer-Mitarbeiter tätig als in Berlin mit 1900, betonte Döpfner, der auch gestern wieder davon sprach, dass Verlagsgründer Axel Springer davon geträumt hatte, die „Bild“-Zeitung von Berlin aus zu machen. „Hamburg ist unsere Heimat“, sagte Döpfner, „Berlin unsere Zukunft.“

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