Medien : Hamburg – reich und arm zugleich

Zahlreiche Medien kommen aus der Hansestadt. Dennoch ist das Informationsangebot nicht zwangsläufig vielfältig

Ulrike Simon

Die Namen großer Persönlichkeiten der deutschen Pressehistorie sind untrennbar mit der Medienstadt Hamburg verbunden: Rudolf Augstein, Gerd Bucerius, John Jahr, Henri Nannen und Axel Springer. Eine vielfältige Zeitungsstadt wie Berlin ist Hamburg nicht. Auch wenn dort die Wochenzeitung „Zeit“ beheimatet ist, die nach dem Tod von Bucerius auf dessen Wunsch hin an die Verlagsgruppe Dieter von Holtzbrinck verkauft wurde, bei der der Tagesspiegel erscheint.

Zeitschriften

Hamburg ist die Stadt, aus der die meisten in Deutschland gelesenen Zeitschriften kommen. Nahe der Mönckebergstraße residiert die Bauer Verlagsgruppe, von der hierzulande in jedem zweiten Haushalt eines der vielen bunten Blätter liegt, insbesondere Frauen- und Fernsehzeitschriften. Direkt an der Elbe steht das an zwei miteinander verbundene Schiffe erinnernde Gebäude von Gruner + Jahr, Europas größter Zeitschriftenverlag, der Deutschlands reichweitenstärkste Publikumszeitschrift „Stern“ herausbringt. Auch der „Spiegel“, an dem G + J beteiligt ist, sitzt in der Hansestadt. Nicht zu vergessen die beiden kleineren Häuser an der Außenalster: der Jahreszeiten-Verlag mit Magazinen wie „Für Sie“ oder „Feinschmecker“ und die Verlagsgruppe Milchstraße mit Titeln wie „TV Spielfilm“ und „Max“.

Zeitungen

Und dann gibt es noch die Axel Springer AG. Auch hier erscheint eine Reihe von Zeitschriften, angefangen bei „Hörzu“ bis hin zu „Allegra“. Vor allem aber beherrscht Springer den Zeitungsmarkt. Hier erscheint die „Bild“-Zeitung mit einer eigenen Regionalausgabe, die im Stadtgebiet werktags 166 000 Käufer findet. Ebenso hat die national verbreitete „Welt“ einen Hamburg-Teil und verkauft davon im Schnitt rund 30 000 Exemplare. Nur in ihren jeweiligen Bezirken erscheinen außerdem die „Bergedorfer Zeitung“ (9 000 Exemplare) und die „Harburger Anzeigen und Nachrichten“ (9 000 Exemplare). Neben „Bild Hamburg“ gibt es mit der „Hamburger Morgenpost“ (75 000 Exemplare im Stadtgebiet) noch eine weitere Boulevardzeitung. Am häufigsten wird jedoch das „Hamburger Abendblatt“ gelesen (Auflage: 174 000). Fünf Zeitungen gibt es in der Hansestadt also. Mit Ausnahme der „Mopo“ erscheinen sie alle bei einem Verlag – der Axel Springer AG.

Fernsehen

Im Fernsehbereich gibt es abgesehen vom Norddeutschen Rundfunk, dem innerhalb der ARD die besondere Rolle zukommt, dass dort die Zentralredaktionen von „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ sitzen, seit Mai 1995 Hamburg 1. Es ist der einzige private Fernsehsender. Springer, der von Anfang an an Hamburg 1 beteiligt war, kam vor zwei Wochen einem Management-Buy-out zuvor, nahm vom Vorkaufsrecht Gebrauch und übernahm Hamburg 1 überraschend zu hundert Prozent. Ob das so bleibt, darüber muss noch das Kartellamt entscheiden. Da Fernsehen, Abo-Zeitungen, Kaufzeitungen und Zeitschriften nach geltendem Kartellrecht aber jeweils unterschiedliche Märkte sind, dürfte dem nichts entgegenstehen. Und selbst wenn Springer wieder ausstiege – bis zu den Senatswahlen am 29. Februar dieses Jahres ist HH-1 fest in Springers Hand. Zum Beispiel am 18. Februar. An diesem Tag veranstaltet Springers „Abendblatt“ und Hamburg 1 in der Axel Springer Passage eine Diskussion mit den fünf Spitzenkandidaten Ole von Beust, Thomas Mirow, Reinhard Soltau, Christa Goetsch und Dirk Nockemann. Menso Heyl, der Chef des „Hamburger Abendblatts“, und Michael Schmidt-Gegner von Hamburg 1 moderieren die Runde – zuvor dürfen Leser und Zuschauer ihre Fragen an die Kandidaten an das „Hamburger Abendblatt“ schicken. Die crossmediale Diskussionsrunde ist nur eine von mehr als zwanzig Sondersendungen, mit der der Lokalsender den Wahlkampf begleitet, kündigte Springer kürzlich an.

Radio

Aber auch Radio Hamburg wird im Wahlkampf eingespannt. Am 6. Februar veranstalten „Bild“ und „Welt“ ein Rededuell zwischen den Spitzenkandidaten von CDU und SPD. Radio Hamburg, mit einem Anteil von aktuell 22,2 Prozent seit Jahren Platzhirsch im Hamburger Hörfunkmarkt, überträgt das Duell live. Neben Radio Hamburg werden in der Hansestadt zehn weitere private Radiosender gehört, dazu kommen acht öffentlich- rechtliche Stationen des NDR. Radio Hamburg gehört zu 25 Prozent Springer. Die Radio Hamburg GmbH ist wiederum mit 16,4 Prozent Gesellschafterin von Oldie 95 (Marktanteil: 3,5 Prozent).

David gegen Goliath

Jetzt, zu Zeiten des Wahlkampfs, bei dem die Lokalberichterstattung in den Zeitungen immer eine ganz besondere Rolle in der Meinungsbildung spielt, ist die einzige Alternative zu den konservativ geprägten Springer-Blättern die „Hamburger Morgenpost“ – zumal die Stadtmagazine „Szene Hamburg“ und „Prinz“ monatlich erscheinen und damit wenig aktuell sein können. Die in Hamburg liebevoll „Mopo“ genannte Zeitung hat eine über 50-jährige sozialdemokratische Tradition. Das kleinformatige Boulevardblatt, bei dem Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement einmal ebenso Chefredakteur war wie Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, hat eine äußerst bewegte Vergangenheit hinter sich. Ursprünglich war sie im Besitz der SPD, dann gehörte sie G + J, zwischenzeitlich war auch mal der Wiener „Krone“-Verleger Hans Dichand an ihr beteiligt. Vor fünf Jahren verkaufte G + J sie an den Hamburger Versandhauserben Frank Otto und den Bildhauer-Erben Hans Barlach. Als Otto im vergangenen Herbst einen Springer-nahen Zeitungsmanager mit in den Gesellschafterkreis holen wollte, kam es zum Streit mit Barlach, der sich letztlich durchgesetzt hat. Seit Weihnachten gehört ihm die „Mopo“ zu hundert Prozent. Finanziert hat er den Kauf zu einem nicht geringen Teil mit dem Geld der Bauer Verlagsgruppe. Rote Zahlen schreibt das jahrelang verlustreiche Boulevardblatt zwar nicht mehr. Redaktionell und inhaltlich kann es das Leichtgewicht „Mopo“ mit den Springer- Blättern allerdings kaum aufnehmen.

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