Medien : „Hammermäßig“, sagt der Dieter

Die „Superstar“-Show sucht Berlin und München heim

Matthias Kalle

Immerhin: Ab dem 14. Dezember zeigt RTL wieder Skisprungsport und in dieser Disziplin kann Deutschland ja zwei Superstars vorweisen, nämlich Martin Schmitt und Sven Hannawald. Leider können beide nicht singen, sonst wäre einem vielleicht erspart geblieben, dass am Samstagabend nach der Programmankündigung zur Skifliegerei die zweite Folge der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ lief. Die Suche führte die Jury diesmal nach Berlin und nach München, und diese Städte taugen ja immer, um Klischees abzuklopfen und mit Erwartbarem zu trumpfen.

So begann es dann auch mit dem Einspiellied „(Ich fühl mich gut) Ich steh auf Berlin“, blöderweise aber machten beim Casting in der „europäischen Metropole, die am schnellsten wächst“ (Nachwuchsmoderator Spengemann) hauptsächlich junge Menschen aus Magdeburg oder Leipzig mit. Sind Berliner unmusikalisch?

Jurymitglied Dieter Bohlen erkannte bei manchen Berlinerinnen andere Vorteile und machte ihnen das zweifelhafte Kompliment, dass sie „hammermäßig“ aussähen. Blöd nur, dass das meistens nicht reichte, um zu kaschieren, dass etwas fehlte, weshalb sie eigentlich da waren: Talent. Nur wenige waren fähig zur Selbstkritik: „Jetzt hab ich mich irgendwie versungen", erkannte ein Mädchen und sagte damit die Wahrheit. Auch die Jury sagte fast immer die Wahrheit, bis auf diese Frau, die irgendwas mit Musikjournalismus zu tun haben soll, aber lieber auf Bohlens als auf ihre eigene Meinung vertraut. Bei Thomas Stein, Chef einer Plattenfirma, sieht man in jeder Sekunde die Dollarzeichen in den Augen wie bei Dagobert Duck – der Sieger wird natürlich bei Stein unter Vertrag genommen.

Eine seltsame Form der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, denn es traten Menschen an, die es schwer genug haben dürften, einen normalen Job zu finden: Es mangelte teilweise an Grundkenntnissen im Lesen und Schreiben. Kein Berlin-Problem, in München war es nicht viel besser. Valentina, 22 Jahre alt, sagt, dass sie ihre Lehre „geschmissen“ habe, denn: *Ich will Star werden.“ Sie schaffte es in die zweite Runde der Umschulung.

Jessica nicht. Die ist 21 Jahre alt, von Berufs wegen Soldatin und auf die Frage, was ihr daran gut gefällt antwortet sie: „Ich mag das Schießen.“ Da kann sie bei bleiben, ihren Gesang mochte die Jury nicht. „Die wissen gar nicht, wie ich drauf bin", sagte Jessica nach der Abfuhr. Klang wie eine Drohung.

War noch etwas? Ach ja - der Trend bei den Jugendlichen geht zur Krawatte. Kann man ja auch mal brauchen beim nächsten Vorstellungsgespräch. Matthias Kalle

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