• Mitleid mit Frank Steffel und die Frage, ob das deutsche Handball wirklich jeden Gebühren-Cent wert ist

Handball-WM : Von wegen Machos

Mitleid mit Frank Steffel und die Frage, ob der deutsche Handball wirklich jeden Gebühren-Cent wert ist.

Matthias Kalle
Frust nach dem Aus im Viertelfinale der Handball-WM
Frust nach dem Aus im Viertelfinale der Handball-WMFoto: dpa

Haben Sie auch kein Spiel von der Handball-WM gesehen? Und sich deshalb furchtbar darüber aufgeregt, dass Sie zwar GEZ-Gebühren bezahlen, aber weder ARD noch ZDF Bilder von dieser Veranstaltung zeigen? Nun ja, zum einen zahlen Sie ja keine GEZ-Gebühren mehr, sondern einen Rundfunkbeitrag – zum anderen kann man natürlich ARD und ZDF andauernd irgendwas vorwerfen – allerdings nicht, dass sie keine Rechte an der Handball-WM haben. Die hätten Sie nämlich sehr gerne gehabt, allerdings hätten sich die Sender dann verpflichten müssen, das außerhalb Deutschlands empfangbare Satelliten-Signal zu verschlüsseln.

Das wäre ein ziemlich ungeheurer Vorgang geworden. Deshalb bekam die Rechte der Pay-TV-Sender Sky – übrigens zu einem Zeitpunkt, an dem man nicht einmal hoffen konnte, dass die deutsche Mannschaft diese Rolle bei der Weltmeisterschaft spielen würde. Vor dem Viertelfinale am Mittwoch, als sich langsam rumgesprochen hatte, was das Sensationelles in Katar vor sich geht, meldete sich der CDU-Politiker Frank Steffel , warf ARD und ZDF „Sturheit“ vor und forderte die Sender auf, umgehend mit Sky über eine Ausstrahlung der kommenden Spiele der deutschen Nationalmannschaft zu verhandeln. „Das ist meine Erwartung als Gebührenzahler und hat mit Politik gar nichts zu tun“, sagte Steffel, der mal Regierender Bürgermeister von Berlin werden wollte und jetzt immerhin Präsident des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin ist. Der ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky sagte am Dienstag: „Ich bewundere, wie Herr Steffel die Erfolge der Handball-Nationalmannschaft zur eigenen Popularisierung nutzen möchte.“

Wunderdinge über Carsten Lichtlein

Ich habe mir auf vielen Umwegen die Spiele der deutschen Handballnationalmannschaft angeschaut. Ich kenne mich in diesem Sport ein wenig aus, deshalb wird es jetzt tatsächlich bitter für Frank Steffel, der ja anscheinend keine Spiele sehen kann, denn: Ich habe selten so eine gute, lässige, spielstarke deutsche Mannschaft gesehen – ach was: eigentlich noch nie. Der deutsche Handball war immer irgendwie so ein Bauern-Handball, ein Macho-Handball, immer feste druff. Früher konnte ich damit nichts anfangen, früher mochte ich die Schweden. Die spielten mal bei einem Turnier mit ganz engen Trikots, damit sie sich noch geschmeidiger durch die gegnerische Abwehr tanzen konnten. Das gefiel mir besser als bretterharte Stemmwürfe. Dann mochte ich auch die kroatische Mannschaft. Und die dänische. Die spielen teilweise immer noch mit einer Eleganz und Leichtigkeit, mit der man nur leider im Handball selten etwas gewinnt. Aber sie bewiesen: das schöne Spiel ist auch im Handball möglich. Und bei dieser Weltmeisterschaft hat das die deutsche Mannschaft auch bewiesen – und es spielt deshalb auch keine Rolle, dass sie im Viertelfinale ausgeschieden ist.

In den Zeitungen konnte man in der vergangenen Woche immer Wunderdinge über Carsten Lichtlein lesen, den Torwart. Wer sich beim Handball freiwillig ins Tor stellt, kann eigentlich nicht ganz dicht sein – haben Sie schon mal aus sechs Metern einen Ball an den Kopf oder an die Brust bekommen? Und neben dem Torwart war da der Spielmacher, er heißt Martin Strobel, der führte die Mannschaft wie ein Feldherr seine Truppen. Und dann hatten wir Außenspieler, links wie rechts, Gensheimer, Groetzki, Musche, die flogen und warfen, dass es nur so eine Freude war, und fast tut es mir ein bisschen leid, dass Frank Steffel das alles nicht sehen konnte.

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