Medien : Hannelore Kohl: Die letzten Worte

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Wer trägt wie viel Schuld am Freitod der Hannelore Kohl, wie lässt diese Sache sich politisch instrumentalisieren? Zwei Versionen gibt es. Erstens, dass Hannelore Kohl, unter anderem, an der Lieblosigkeit ihres Ehemannes zugrunde gegangen sei, eine Lesart, die vor allem die Berichterstattung im "Stern" den Lesern nahelegen wollte. Zweitens: Hannelore Kohl sei - auch - an den "Demütigungen" zerbrochen, die ihrem Mann im Laufe der Spendenaffäre widerfuhren. Das behaupten Kohls Freunde, und es stand so in der "Welt am Sonntag".

Dass über den spektakulären Tod einer Prominenten nachgedacht, gerätselt, und spekuliert wird, das alles lässt sich nicht verhindern. Es ist legitim, weil es menschlich ist. Dass die Gedanken nicht frei sind vom politischen Interesse derjenigen, die sie äußern, ist vermutlich ebenso unvermeidlich. Die entscheidende Frage heißt: Wie weit geht man? Und wann ist Schluss?

In den letzten Tagen haben Helmut Kohl und ihm nahestehende Zeitungen den Ton angegeben. Es begann mit einem Leserbrief aus Kohls Büro, von einem seiner Mitarbeiter, an die "Welt". Darin wurden dem "Stern" sachliche Fehler vorgehalten. Der wichtigste: Juliane Weber, Kohls Vertraute, sei nicht gemeinsam mit dem Altkanzler zur Hochzeit des Kohl-Sohns gereist, sondern in Begleitung ihres Ehemanns. Am Wochenende ließ Helmut Kohl über einen anderen Vertrauten, den Historiker Theo Schwarzmüller, Teile von Hannelore Kohls Abschiedsbrief an die Springer-Presse gehen, zuerst an die "Welt am Sonntag". In den veröffentlichten Passagen erklärt Hannelore Kohl ihrem Mann ihre Liebe und Dankbarkeit.

Was lässt sich über einen Brief sagen, von dem man nur einige Sätze kennt? Wenig. Die Auszüge beweisen gar nichts. Will man also den gesamten Abschiedsbrief lesen? Nein. So genau möchte man es nicht wissen. Den Abschiedsbrief einer zum Tode Entschlossenen, dieses intimste aller denkbaren Dokumente, diese im Zustand maßloser Verzweiflung geschriebenen Worte druckt man nicht. Es ist eine Frage der Würde. Hannelore Kohl wollte ja nicht, dass ihr Abschiedsbrief in der Zeitung steht. Wenn sie es gewollt hätte, dann hätte sie den Brief den Redaktionen zukommen lassen.

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