Hans-Joachim Kulenkampff : Ein Mann, eine Show

Schlagfertiger Entertainer: Hans-Joachim Kulenkampff in einer neuen Folge der ARD-Reihe „Legenden“.

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Hans-Joachim Kulenkampff.
Hans-Joachim Kulenkampff.Foto: HR/Kurt Bethke

Vielleicht war er der Größte. Seine erfolgreichste Sendung, mit der sein Name aufs Engste verbunden ist, schrieb Fernsehgeschichte: „EWG – Einer wird gewinnen“ hatte Rekordeinschaltquoten von bis zu 90 Prozent. Lag die Quote etwas darunter, meinte er stets, dass man ja aufhören könne, wenn die Leute einen nicht mehr sehen wollten. Diese kokett-charmante Bescheidenheit, die lag ihm, die machte Hans-Joachim Kulenkampff, vor 90 Jahren am 27. April 1921 in Bremen geboren, mit aus. „Kulenkampff versprüht eine unwiderstehliche Kombination aus Charme, Witz, Intelligenz und Schlagfertigkeit“. So heißt es in der neuen Dokumentation der Reihe „Legenden“, die das Erste am Ostermontag zeigt.

Es gab den „Muckel“, wie ihn die eigene Familie nannte, und es gab den „Kuli“, wie er beruflich gerufen wurde. Wie Sohn Kai Kulenkampff, Jahrgang 1959, anmerkt, habe sein Vater nichts gespielt, „das waren einfach zwei Teile seiner Persönlichkeit“. „Er hat keine Rolle gespielt. Er war er selbst“, erzählt sein Kollege Alfred Biolek. Dennoch gab es da diese beiden sehr disparaten Seiten.

1957 erfuhr die Familie Kulenkampff einen schweren Schicksalsschlag, als Sohn Till, von allen nur „Burli“ genannt, nach Schwester Merle das zweite von drei Kindern, bei einem Autounfall der Familie ums Leben kam. „Burli“ wurde nur vier Jahre alt. Kulenkampff kann darüber nicht reden, wie über seine Kriegserlebnisse im Russlandfeldzug. Wenn im Fernsehen Kriegsfilme liefen, so Sohn Kai, dann sei sein Vater „sofort aufgestanden, hat fast geweint und hat den Raum verlassen“. Ebenso, wenn seine langjährige Ehefrau Traudl sich frühe Privatfilme mit „Burli“ ansieht – er erträgt dies nicht. Den Halt, den Traudl im katholischen Glauben findet, den hat Kulenkampff nicht. Seine Lebensrolle, privat wie beruflich, war die des Unterhalters. Keine Aufarbeitung, sondern Selbstschutz durch Verdrängen. Hauptrollen übernahm er in harmlos-heiteren Heile-Welt-Komödien wie „Immer die Radfahrer“ oder „Drei Mann in einem Boot“. Kulenkampff spielte auch Boulevard-Theater, am Frankfurter Fritz-Rémond-Theater – den Sprung ins ernste Fach, ins Feuilleton, den er sich wünschte, schaffte er nicht. Ebenso wurde er in Serien wie „Ein Mann macht klar Schiff“ (1985) für leichte Rollen besetzt.

Nachdem „Kuli“ bereits 1953 seine erste Fernsehshow „Wer gegen wen?“ moderierte, unterzeichnet er 1964 im Alter von 43 Jahren den Vertrag zu seiner wichtigsten Quizsendung: Von diesem Jahr an bis 1969 moderiert er die erste Staffel von „EWG – Einer wird gewinnen“, jener legendären Eurovisionssendung mit Kandidaten aus acht Ländern, die Kulenkampff in kosmopolitischer Manier präsentierte. Die Deutschen liebten die Sendung. Und ihn.

Nach fünf Jahren macht er mit der Sendung Schluss – um dann 1979 noch einmal mit „EWG“ anzutreten. Acht Jahre führt „Kuli“ erneut durch „EWG“, bis 1987. Die letzte Sendung kam aus Wiesbaden. Wie alle Sendungen wurde sie vom Hessischen Rundfunk (HR) produziert, dem „Kuli“ eng verbunden war. 1995, nachdem er 1993 für nur wenige Ausgaben erfolglos Wim Thoelkes „Der große Preis“ übernahm, erlitt er erst einen Schlaganfall, dann die Diagnose: Pancreas, Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die letzten Bilder zeigen „Kuli“, wie er, von seiner schweren Krankheit gezeichnet, es als Quizmaster noch einmal wissen will. 1997 moderiert er die Quizshow „Zwischen gestern und morgen“. Schmal und hager steht da jener „Kuli“, der in der Samstagabend-Show „EWG“ einst so stattlich auftrat, im dunkelblauen Anzug, mit Toupet, ganz eleganter Gentleman. Inzwischen hat er Operationen hinter sich. Er zieht sich gänzlich zurück, in das Haus im österreichischen Seeham, zusammen mit Ehefrau Traudl. Öffentliche Auftritte gibt es keine mehr. 1998 stirbt Hans-Joachim Kulenkampff, am 14. August, im Alter von 77 Jahren. Er dürfte – noch vor seinen zahlreichen Kollegen – wohl der Fernsehshowmaster schlechthin der Bundesrepublik gewesen sein. Eine Legende. Thilo Wydra

„Legenden – Hans-Joachim Kulenkampff“, ARD, Ostermontag, 19 Uhr 15

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