Hape Kerkeling : War einmal ein witzisch Mann

"Ein Mann, ein Fjord" ist ein missglückter Film von und mit Hape Kerkeling. Der filmische Abklatsch eines Hörbuchs kommt über Albernheiten nicht hinaus.

Barbara Sichtermann
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''Sklavin der Liebe'' heißt der neue Song von Uschi Blum (Hape Kerkeling). -Foto: ZDF

Man kann wirkliche Ereignisse verfilmen, Bücher, Opern und neuerdings auch Hörbücher. Der Schwank „Ein Mann, ein Fjord“ von Hape Kerkeling war ursprünglich ein solches Hörbuch, und man kann sich gut vorstellen, wie vergnüglich es ist, der Stimme Kerkelings zu lauschen, wenn er aus dem Leben des Unglückswurms Norbert Krabbe erzählt, der so viel Glück bei Gewinnspielen hat. Was wird aus einer solchen Schnurre, wenn man sie verfilmt?

Nicht unbedingt etwas Gutes. Was ja bei der zu lesenden Geschichte – ob man nun selber liest oder Hape zuhört – nach und nach entsteht, die Teilnahme an den Figuren und deren Eigenart, wobei Wort und Ton genügen müssen, um Empathie zu wecken, das muss beim Film durch das Bild, durch die Perspektive auf Leute und Schauplätze und durch die Inszenierung der Gesichter, ihrer Mimik, ihrer Blicke in kürzester Frist erzeugt werden. Ein enormer Unterschied! Man muss sozusagen bei der Verfilmung eines Hörbuches noch mal ganz von vorne anfangen, die Hörbuchversion am besten vergessen und die Geschichte optisch völlig neu aufspannen.

Bei der Filmproduktion „Ein Mann, ein Fjord“ (Regie: Angelo Colagrossi, der auch beim Buch mitwirkte), sind solche Überlegungen offenbar nicht angestellt worden. Den Zuschauer beschleicht gleich zu Beginn das Gefühl, hier handele es sich um einen zweiten Aufguss, um einen Stammtischwitz, den nur kapiert, wer zu diesem ganz speziellen Stammtisch dazugehört, was für Otto Normalfernsehgucker ja nicht zutrifft.

So, als habe jemand diesem Film den Leitsatz vorangestellt: Achtung, Komik, bitte laut lachen, verweigert der Zuschauer die erwünschte Reaktion, eben weil er sich zu ihr gedrängt fühlt. Je nach Toleranz gegenüber blödesten Spar- und Fäkalwitzen verfällt er sogar in Trübsinn.

Es wird in der Film- und Theaterkritik immer wieder hervorgehoben, dass Komödien entgegen dem Anschein das Allerschwerste seien. Aber diese Hierarchie der Schwierigkeitsgrade ist willkürlich und erklärt nichts. Komik im Fern sehfilm kommt – genau wie Tragik – nur zustande, wenn die Macher ihre Figuren ernst nehmen. Norbert Krabbe (Jürgen Tarrach), seine Frau Birgit (Anneke Kim Sarnau) und Tochter Ute (Olga von Luckwald), das Hauptpersonal, sind von vornherein als Karikaturen angelegt, was im Sinne des komischen Effekts aber nur dann funktioniert, wenn ein Feuerwerk von Pointen diese Kunstfiguren durch eine Kette komischer Situationen begleitet, so dass der Zuschauer gar nicht erst auf die Idee kommt, realistische Maßstäbe zu bemühen.

In „Ein Mann, ein Fjord“ jedoch geschieht nach der netten, aber nicht allzu tragfähigen Anfangs idee – Held Norbert erblickt den Sinn seines Lebens in der Teilnahme an Gewinnspielen – nicht mehr, als dass Norbert zur Entgegennahme seines Hauptgewinns, eines norwegischen Fjordes, der seinen Namen tragen soll, ohne Geld und Frau, dafür mit Tochter und einem Eimer für das Fjordwasser auf die Reise geht, wobei ihm so allerhand zustößt.

Tranig schleppt sich der Hartz-IV-Empfänger durch das Roadmovie; die Gags sind äußerlich draufgepackt, die Verwicklungen absehbar und dämlich. Kerkeling himself geistert in verschiedenen Rollen durch die Handlung und verschafft dem Zuschauer Gelegenheit, festzustellen, wie großartig dieser Komiker insbesondere als female impersonator ist und wie klaftertief die restlichen Gags des Films dagegen abfallen.

Ein sinnfrei in die Handlung reingestopftes Ehepaar zum Beispiel gefällt sich im Rausposaunen wörtlich und deshalb falsch aus dem Deutschen ins Englische übersetzter Wendungen, so etwa „Put it out!“, als ein Handy stört, und das wird auch durch die zehnte Wiederholung nicht witzig.

Auch die Wortspiele mit Wanne-Eickel, wo die Krabbes herkommen, nerven schon dann, wenn man sie erst noch befürchten muss. Nein, dieser filmische Abklatsch eines möglicherweise charmanten Hörbuches kommt über die Stufe plumpester Albernheit nirgends hinaus. Klar, auch Albernheit kann komisch sein. Dafür aber bedarf es einer Trockenheit, die diesem Werk schon aufgrund von Norberts Fjordwassereimer abgeht.

„Ein Mann, ein Fjord“, um 20 Uhr 15 im ZDF

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