Medien : „Happy Boy“ und „Supergirl“

China sucht den Superstar, nur linientreu muss er sein

Dan Martin[AFP]

Zhou Dong ist ein höflicher Junge, der seine Eltern achtet. Doch die chinesische Regierung fürchtet, junge Männer wie Zhou könnten die moralischen Werte des Landes untergraben. Denn der 26-jährige Reisebüroangestellte will für die Fernsehshow „Happy Boy“ kandidieren, eine chinesische Version der Suche nach dem Superstar. Der Produzent Hunan Satellite TV hatte mit der Vorgängershow „Supergirl“ einen solchen Erfolg, dass die politische Führung sich zum Eingreifen genötigt sah: Reality-TV nach westlichem Vorbild sei nicht akzeptabel, sagten die Behörden und setzten mehrere Änderungen durch.

Die Sorge der Parteioberen hat ihre Gründe: „Supergirl“ hatte im Finale im vergangenen Jahr 400 Millionen Zuschauer landesweit verzeichnete – und damit Rekordeinnahmen erzielt. Seither entwickelten die Fernsehmacher immer neue Reality-Shows, sei es die Suche nach dem nächsten Star der Pekinger Oper oder ein Rollentausch zwischen wohlhabenden Städtern und armen Bauern. Die Reaktion der Partei ließ nicht auf sich warten: „Viele Reality-Shows sind von niedriger Qualität, die das unterste Ende des Marktes bedienen“, urteilte Wang Taihua, Chef der staatlichen Radio-, Film- und Fernsehbehörde.

Und so wurden für die Folgeproduktion strenge Vorschriften erlassen: „Keine Verrücktheiten, nichts Vulgäres, kein schlechter Geschmack“, wurde Hunan Satellite vorgeschrieben. Die Teilnehmer dürfen aussschließlich männlich sein und müssen „gesunde, moralisch inspirierende“ Lieder singen. Auch „Klatsch“ ist verboten. Die Kandidaten müssen mindestens 18 Jahre alt sein und der alberne Name „Happy Boy“ wurde ebenfalls von ganz oben verordnet.

„Die Regierung fürchtet, dass die Beliebtheit solcher Sendungen die Partei- Ideologie zerstören könnte“, sagt Zhu Dake, Professor für chinesische Kultur an der Universität in Schanghai. „Diese Unterhaltungskultur ist ein zweischneidiges Schwert: Sie bringt viel Geld in die Kassen, aber sie kann auch die kulturellen Werte zerstören.“ Viele Beobachter gehen aber davon aus, dass mit den neuen Vorschriften der Marktführer Hunan Satellite zurechtgestutzt werden sollte, damit er das einträgliche Geschäft nicht für sich allein beanspruchen kann.

Nur Zhou Dong kann den Aufruhr nicht so recht verstehen. „Ich liebe es zu singen, ich will doch nur die Möglichkeit bekommen, die Liebe zu meinen Eltern auszudrücken“, sagt er: „Das ist nur Spaß und eine wertvolle persönliche Erfahrung. Junge Chinesen wollen nur die Möglichkeit haben, sich zu äußern.“ Dan Martin, AFP

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