Medien : Harald Schmidt im Konklave

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Herr Süskind, worüber haben Sie sich in der vergangenen Woche in den Medien besonders geärgert?

Darüber, dass der von mir außerordentlich geschätzte Harald Schmidt sich in der ARD einer Nachbereitung des weithin unsäglichen Mediengetöses um den Tod des Papstes so schlicht entzogen hat. Wie konnte der Mann sich angesichts des geradezu hysterischen Religiositätswahns, der uns allenthalben entgegenschlug, einfach ins Konklave zurückziehen und Maybrit Illner, ja sogar Sabine Christiansen das Feld überlassen? Zappenduster sieht’s aus, wenn auf die Besten kein Verlass mehr ist in Zeiten, die nach seriöser Satire schreien!

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Wenigstens einige Kollegen haben sich (in der „SZ“, der „taz“ und in „Monitor“) mit der Totenehrungspraxis im Auswärtigen Amt beschäftigt und sowohl das systematische Beschweigen der Nazi-Vergangenheit als auch den merkwürdigen Korpsgeist einer elitären Diplomatenriege herausgearbeitet: Wenigstens ein Akzent gegen den etwas belämmerten Medientrend „Jetzt machen wir den Fischer nieder!“.

Martin E. Süskind

ist Co-Drehbuchautor der ZDF-Serie „Kanzleramt“ und war Chefredakteur der „Berliner Zeitung“ und des „Kölner Stadt-Anzeigers“.

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