Medien : Harald & Eddi

Als die Reihe „Comedy Classics“ in diesem Sommer Episoden aus „Harald & Eddi“ wiederholte, war es fast, als hätte die ARD den schwer kranken Harald Juhnke zurück auf die Bühne gebracht. Dabei zeigte der Bildschirm bloß Szenen aus der Vergangenheit, denn die Comedy-Serie war schon vor 16 Jahren gedreht worden! Die Sketche erwiesen sich allerdings als erschreckend aktuell, weil Harald Juhnke und Eddi Arent damals nicht bloß dem Zeitgeist nachgeblödelt hatten. Nein, der gallige Humor und die bittere Komik von „Harald & Eddi“ wirkt überzeitlich, und die beiden führen sich bisweilen so grotesk auf, dass der Klamauk abkippt in ein bizzarres existenzielles Drama. Wenn beispielsweise ein Ehepaar einem nächtlichen Einbrecher alles anbietet, was die Wohnung hergibt, nur um dessen Vermutung zu widerlegen, bei ihnen sei nichts zu holen, dann ist das ein perfider Witz, in dem sich niemand wiedererkennen möchte. Dennoch trifft er uns alle ins Mark.

Die Medien nahmen kaum Notiz vom Wiederaufleben von „Harald & Eddi“. Dafür hörte man umso mehr von Harald Juhnkes Befinden: Er sei in einem „komatösen Zustand“ aus dem Pflegeheim in eine Klinik gebracht worden. Die Folgen seiner alkoholbedingten Altersdemenz wurden in den drastischsten Farben geschildert. Aber das Rätsel bleibt: Wie kann ein Mensch am Ende seiner geistigen und körperlichen Kräfte angelangt sein und dennoch gleichzeitig so brillant schauspielern – und sei es auch nur im Fernsehen? Das ist eines der Geheimnisse des neuen Medienzeitalters, die wir nie wirklich begreifen werden, obwohl wir natürlich so tun, als hätten wir damit überhaupt kein Problem. Von der vorgeführten Gleichzeitigkeit einander ausschließender Seinszustände ist das menschliche Bewusstsein auch nach über siebzig Jahren Tonfilm überfordert. Deshalb hat die Ausstrahlung von „Harald & Eddi“ etwas Teuflisches. Harald Juhnkes strahlender Auftritt als Comedy-Star sprengt die Grenzen unserer inneren Logik. Schade, dass wir Juhnke davon nichts mehr mitteilen können. Es würde ihm gefallen. Uta-Maria Heim

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