"Hart aber Fair" in der ARD : Wenn Essen nicht einfach nur Essen ist

"Wie korrekt muss unser Essen sein?" fragt Frank Plasberg bei "Hart aber Fair" - und lässt dann altbekannte Beispiele zu Veganismus, Bio und regionaler Ernährung wiederkäuen. Und am Ende wird Tofu gegrillt. Eine TV-Kritik.

Richard Weber
"Hart aber Fair"- Moderator Frank Plasberg.
"Hart aber Fair"- Moderator Frank Plasberg.Foto: dpa

Es gibt Probleme, die eignen sich ganz vorzüglich dazu, im Fernsehen immer wieder recycelt und als neu präsentiert werden. Essen ist so ein TV-Dauerlutscher. Alte Probleme, aber wenigstens mit neuem Etikett. Da hat sich die Redaktion von "Hart aber Fair" in der ARD selbst übertroffen. Intensives Brainstorming! Ein Schuss Poesie! Voilà! „Mit der Kuh per Du – wie korrekt muss unser Essen sein?“ Pragmatiker könnten fragen: Muss Essen denn korrekt sein? Reicht es nicht, wenn es einfach nur gesund ist? Wenn es schmeckt und wenn es das Haushaltsbudget nicht zu sehr belastet?

Essen ist nicht einfach nur Essen. Es gibt biologische Essen. Man kann sich vegan ernähren. Essen, weniger Nahrungsaufnahme, mehr Status-Symbol für ökologische Nachhaltigkeit und kritisches Klassenbewusstsein. Bio ist teuer. Aber auch gesund? Bis jetzt gibt es keine fundierten Beweise, dass biologische Ernährung gesünder ist. Vegane Ernährung ist moralisch. Sie kann schmecken. Aber ist sie auch gesund? Der neueste Trend im milliardenschweren Ernährungs-Business: „regional“.

Der Schauspieler und "Tatort"-Kommissar Andreas Hoppe ist für Lebensmittel aus der Region. Vor allem wegen der Ökologie. Sein Buch „Allein unter Gurken: Mein abenteuerlicher Versuch, mich regional zu ernähren“ und die Doku-Serie „Der Kommissar im Kühlschrank“ zeigen Hoppe als romantisch-melodramatischen Kämpfer. Für Wissenschaftsjournalist Michael Miersch eine denktechnische Verkürzung mit Folgen. Und das reibt er Hoppe auch genüsslich unter die Nase. Regionale Rinder, Hühner oder Schweine fressen brasilianisches Soja. Das muss zu uns transportiert werden.

Schwarzwälder Schinken, der nicht aus dem Schwarzwald kommt

Wissenschaftler haben festgestellt: Importware ist viel umweltfreundlicher. Der Energieeinsatz ist in den Herstellerländern viel geringer als im regnerischen Deutschland. Werden die Lebensmittel in großen Containern rumgeschippert, fällt auch die Umweltbilanz viel positiver aus. Das nächste Beispiel - super, wenn es nicht schon so oft in diversen Sendungen serviert worden wäre: Schwarzwälder Schinken. Hersteller Jürgen Abraham kann beruhigen. Der Schinken wird im Schwarzwald gewürzt und geräuchert. Geschnitten wird er 600 km weit weg. Das Fleisch für die regionale Spezialität kommt von überall her, nur nicht aus dem Schwarzwald. Ihn dort herzustellen, wo auch das Fleisch produziert wird, gut für die Ökobilanz. Aber dann wäre es kein Schwarzwälder Schinken mehr. Die Bezeichnung „Schinken nach Schwarzwälder Art“ ist verboten. Ausschlaggebend ist der Ort der Herstellung; nicht wo der Rohstoff herkommt. Diese Regelung ist typisch deutsch-europäisch umständlich.

Aber wenn alle Aspekte, Eventualitäten, Produzenten - und Verbraucherwünsche beachtet werden, dann entstehen solche Monster-Gesetze. Etwas übertrieben auch die weiteren Diskussionspunkte der Sendung. Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens schildert seinen Versuch, Küken artgerecht zu züchten. Die ehemalige Fleischesserin und Autorin Bettina Hennig erzählt lähmend lang und umständlich, wann und warum sie zur Veganerin wurde. Und dann wird noch ein Stück Tofu gegrillt. Alle Talkgäste müssen probieren. Keinem schmeckt's. Der beste Satz der Sendung kommt von einem Zuschauer: „Mich interessiert es nicht, ob die Sau, der ich in den Hintern beiße, ein glückliches Leben hatte, denn es interessiert auch keine Sau auf dieser Welt, ob ich glücklich bin!“

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